Menschen sind wie Viren

von Gastautorin Judith Binias

Menschen sind wie Viren. Bei jeder Begegnung nehmen sie einen Teil von dir und du von ihnen und trägst ihn immerfort mit dir. Ein kleines Gen. Ein Samen. Nur ein Bruchteil des anderen. Unbemerkt. Aber er ist da. Wächst in dir. Mit dir. Zusammen. Und wird ein Teil von dir. Manche infizieren dich. Lassen dich von innen welken. Wenn du sie gedeihen lässt. Aber der ständige Wandel von dir lässt dich wachsen. Mit anderen zusammen. Aus anderen heraus. Wie sich deine Zellen teilen, ständig. Absterben. Um neuen Platz zu machen. Teilst du dich. Innerlich. Lässt Teile zurück. Zum Absterben. Um Platz zu machen, für neue Teile. Von anderen. Um sie zu deinen zu machen. Mit ihnen zu wachsen. Kannst nie auswachsen. Nur rauswachsen. Aus deiner alten Hülle. Lass sie fallen, sonst erstickst du in ihr. Sie gibt nicht nach, platzt nur auf und verkrustet. Hindert dich. Verhindert. Wachsen. Leben. Dein Leben. Bildet einen festen Panzer. Der dich vor den anderen schützt. Fremde Viren. Aber du teilst dich trotzdem immerfort und raubst dir selbst den Platz. Aus Angst vor fremden Teilen. Dass sie du werden. Dass du dir selbst der fremdeste Teil bist. Brauchst du nicht. Der tiefste Kern von dir, teilt sich nie, bildet deine Wurzel und hält dich in dir fest.

Mehr Lyrik von Judith Binias gibt es hier: http://insomnia-writing.npage.de/ oder in ihrem Buch Insomnia – Lyrik aus schlaflos geträumten Texten (amazon).

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