Der Geist der Weihnacht

Wie immer am vierten Advent fand gestern in unserem kleinen Nachbarort die Stallweihnacht statt. Nachdem in den vergangen Jahren Josef mit Maria oder die Hirten durchs Dorf zogen, waren in diesem Jahr die Könige auf der Suche nach dem neugeborenen Heiland unterwegs.

Seinen Ausgang nahm das Spiel in der eiskalten, da nicht heizbaren Kirche. Überraschenderweise hatten sich die Leute von den niedrigen Temperaturen nicht abhalten lassen.

Danach ging es bei zweistelligen Minustemperaturen und schneidendem Wind durch das Dorf.

An mehreren Häusern wurde haltgemacht, die Könige fragten nach einem Neugeborenen. Überall herrschte Verwunderung über die vornehmen Fremden. Die Könige wurden mit Neid konfrontiert („Wieso bekomme ich nie Geschenke“), mit Hoffnungslosigkeit („Gott? Den gibt es doch nicht. Glaubt ihr an sowas?“) und Unglauben („Ein Kind soll die Welt retten? Wollt ihr nicht in ein paar Jahren wiederkommen, wenn es was geleistet hat?“). Erstaunlich, wie ruhig die große Zuschauermenge den Gesprächen lauschte.

Der Zug näherte sich dem Ziel, dem NaturErlebnisHof. Die Hoffnung auf die Wärme des Stalles beschleunigte die Schritte. Allen wurde spätestens in diesem Moment bewusst, wie wichtig eine warme, geschütze Unterkunft ist. Beim Betreten des Stalles wurde man im ersten Moment von den Gerüchen überwältigt. Es überwog jedoch die Dankbarkeit für den windgeschützten Raum und die scheinbare Wärme. So war das also damals. Das Kindlein in der Krippe bei Esel und Rind – das klingt so idyllisch. Stattdessen die Erkenntnis: Es stank, es war kalt, zugig und schmutzig, eine Notlösung, nicht die Spur angemessen.

Hier fand das Stück seinen Abschluss, untermalt vom Muhen der Wasserbüffel, dem Mähen der Schafe und dem Wiehern der Pferde. Gemeinsam wurde gebetet, Weihnachtslieder wurden gesungen.

Weihnachten – fernab von Einkaufsrausch und Kommerz. Zurückgekehrt zu seinem Ursprung, der Geburt des Heilands in einem einfachen Stall. Besinnlich, nachdenklich machend und einfach nur schön.

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