Jonathan Carroll: Das Land des Lachens (Rezension)

Jedes Jahr findet in meinem Netzwerk Texttreff eine Blogwichtelaktion statt, das heißt, dass die Mitglieder sich mit Blogbeiträgen beschenken. Deswegen lest ihr hier heute einen Beitrag meiner Kollegin Sarah Christiansen, die wie ich Lektorin ist. Mehr auf sie erfahrt ihr auf der Website des Lektorats „Zweite Feder“, das sie zusammen mit einer Kollegin betreibt. Vielen Dank für diese Rezension!

Neuauflage als Lesemotivation

„Das Land des Lachens“ gilt als ein Buch, das man gelesen haben sollte. Es hat prominente Fans wie Neil Gaiman, Stephen King und Michael Ende, und wird nicht nur von diesen wärmstens empfohlen.
Erstmals erschienen ist der Roman 1980, die Übersetzung von Rudolf Hermstein ins Deutsche folgte dann 1986. 2021 ist diese Ausgabe nun geringfügig bearbeitet neu veröffentlicht worden – mit einem Nachwort des Literaturkritikers Denis Scheck.
Diese Neuveröffentlichung war für mich die perfekte Gelegenheit, mir das Buch endlich auch einmal vorzunehmen. Die Handlung ist schnell erzählt:

Dem Idol auf der Spur

Thomas Abbey ist der Sohn eines bereits verstorbenen berühmten Hollywood-Schauspielers – und seit seiner Kindheit ein großer Fan des Autors Marshall France. Seit einigen Jahren ist Thomas Englischlehrer an einer Privatschule und fühlt sich gefangen im ewigen Alltagstrott. Um dem Hamsterrad zu entkommen, beschließt er eine Biografie seines Helden zu schreiben. Gemeinsam mit seiner Freundin Saxony, die ebenfalls ein France-Fangirl ist, begibt er sich dafür nach Galen, die Heimatstadt von Marshall France, in der dieser bis zu seinem Tod lebte. Dort angekommen, werden sie von allen freundlich aufgenommen, insbesondere von Marshall Frances bezaubernder Tochter Anna. Thomas beginnt daraufhin mit der Arbeit an seiner Biografie. Je tiefer er allerdings in die Geschichte seines Idols und des Ortes eintaucht, desto mehr beschleicht ihn der Verdacht, dass es in Galen nicht mit rechten Dingen zugehen könnte …

Ein unwiderstehlicher Sog

„Das Land des Lachens“ ist eines dieser Bücher, von denen man direkt eingesogen wird. Der Schreibstil bzw. die Sprache ist außergewöhnlich schön. Auch die Geschichte fand ich spannend. Ich habe den Roman in einem Rutsch durchgelesen und mich dabei keine Minute gelangweilt.
Im Mittelpunkt des Buches steht die Rolle der Literatur und welche Auswirkung sie auf uns und unser Leben hat. Auch das Schicksal von Kindern berühmter Väter ist ein immer wieder auftauchendes Motiv. Das Buch geht dabei der Frage nach, wie es für sie ist, im Schatten dieser Väter zu leben.
Besonders charmant fand ich, dass in diesem Roman aus den 80er-Jahren die technischen Möglichkeiten noch ganz andere sind als heute. Statt im Internet werden Informationen in der Bibliothek recherchiert und auch das Festnetztelefon spielt in dieser Zeit ohne Handy noch eine wichtige Rolle.

Muss das sein?

Was mich etwas gestört hat, ist der Sexismus, der das Buch durchzieht. Die Frauenfiguren werden durch die Augen des dauererregten (und dauerpotenten) Hauptcharakters betrachtet und entsprechend beschrieben. Die beiden weiblichen Hauptcharaktere, die das Buch dem Protagonisten zur Seite stellt, bleiben oberflächliche Abziehbilder. In der althergebrachten Heilige-Hure-Dichotomie ist die eine aufopferungsvoll, mit wenig eigenem Willen ausgestattet und komplett abhängig von den Entscheidungen des Mannes, während die andere als fieser Vamp ihren Körper einsetzt, um zu bekommen, was sie will.

Fazit: Wenn man vom Sexismus absieht, ist „Das Land des Lachens“ ein wirklich gekonnt geschriebener Roman, der interessante Fragestellungen aufwirft und gut unterhält.

Jonathan Carroll: Das Land des Lachens. Aus dem Englischen von Rudolf Hermstein. Heyne Verlag, Neuveröffentlichung, 13. September 2021, 368 Seiten, Euro 12,99, ISBN ‎978-3453321045.

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Nochmals vielen Dank, Sarah! Vielleicht bringt mich dieser Beitrag ja dazu, endlich meine Blog-Blockade zu überwinden. Mein Rezensionsstapel würde sich freuen …

 

 

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