Robert Harris: Angst

Alex Hoffmann ist ein äußerst begabter Physiker, der nach langjähriger Tätigkeit am CERN in Genf sein eigenes Unternehmen gegründet hat, einen Hedgefonds. Dank von ihm berechneter Algorithmen hat es in all den Jahren niemals Verluste gegeben, sodass er es zum Milliardär gebracht hat. Nun versucht er, seine neueste Entwicklung VIXAL, die noch höhere Gewinne verspricht, den Anlegern schmackhaft zu machen. Das heißt, eigentlich nicht er, sondern sein Partner Quarry, denn Hoffmann ist menschenscheu und zurückgezogen.

Eines Nachts hört Alex merkwürdige Geräusche in seiner Villa, überrascht einen Einbrecher, der die teuren und modernen Sicherheitseinrichtungen scheinbar mühelos überwunden hat, wird niedergeschlagen und muss sich im Krankenhaus behandeln lassen. Bei der Untersuchung seiner Wunde wird eine Veränderung seines Gehirns festgestellt, der er aber nicht sofort nachgehen möchte. Er kehrt zurück zur Arbeit, aber ab jetzt ist nichts mehr, wie es war. Ein Fremder ist in sein Leben eingedrungen und bedroht ihn …

Zu Beginn sieht der Leser einen Mann und Sammler, der sich interessiert über seine neueste Errungenschaft, eine Erstausgabe von Darwin, beugt. Dies bleibt der letzte ruhige Moment im Buch, denn kurz darauf überschlagen sich die Ereignisse. Hoffmann erhält immer weitere Informationen, die ihn zeitweise an seinem Verstand zweifeln lassen. Was passiert da?

Ich war vom ersten Kapitel an gefesselt. Harris versteht es, den Leser in seine Geschichte hineinzuziehen. Nicht einmal die Tatsache, dass ich dem ganzen Börsensprech nicht immer folgen konnte, tat dem Abbruch. Ich bin also außerstande zu beurteilen, wie realistisch der geschilderte Eingriff in die Märkte und die dargestellten Folgen sind. Ich habe begriffen, dass sich alles immer mehr hochschaukelt, das schien mir zumindest nachvollziehbar und ich könnte mir vorstellen, dass die Finanzkrise so abläuft, mehr von Maschinen als von Menschen beeinflusst. Besonders gut hat mir gefallen, wie detailliert Harris den Seelenzustand Hoffmanns beschreibt, ohne dabei an der jeweiligen Stelle zu viel zu verraten. Die Angst, um die sich in diesem Buch alles dreht, und die Beklemmung lassen sich sehr gut nachempfinden. Lange habe ich gerätselt, was es  mit dem geheimnisvollen Fremden auf sich hat oder ob doch alles Hoffmanns Fantasie entsprungen ist. Und obwohl ich recht schnell auf die richtige Fährte gekommen bin, war ich nicht enttäuscht, als ich richtig lag, wie das manchmal bei Krimis der Fall ist. Es blieb trotzdem die ganze Zeit spannend, weil das WIE fast noch wichtiger war als das WER. Nur das teilweise offene „Happy End“ hat mich nicht wirklich überzeugt.

Ein guter Thriller, dessen Lektüre spannende Stunden verspricht. Kenntnisse über das Börsengeschehen sind sicherlich hilfreich, aber nicht zwingend erforderlich.

Robert Harris: Angst. Heyne 2011, 384 Seiten, Euro 19,99, ISBN 978-3-453-26704-6

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