Andrea Behnke: Mein Leben als Torte

Autobiografisches Schreiben, was heißt das? Heißt das, dass man sich hinsetzt und seine Lebensgeschichte aufschreibt, von der Geburt bis zum aktuellen Zeitpunkt oder auch konzentriert auf eine bestimmte Phase im Leben? Das kann es heißen, muss es aber nicht. Schreiben ist

eine gute Art, mit sich selbst in Kontakt zu kommen

schreibt Andrea Behnke in der Einleitung. Indem man nicht gar so zielgerichtet über sich und sein Leben schreibt, kann man ganz neue Erkenntnisse gewinnen. Aber wo anfangen? Dabei kann das kleine Büchlein mit dem ungewöhnlichen Titel helfen. Es bietet 52 Schreibanlässe, für jede Woche einen. Jede Woche gibt es einen Impuls, um sich schriftlich mit dem eigenen Leben auseinanderzusetzen, mal mit der Kindheit, mal mit der Gegenwart oder sogar mit der Zukunft. Mal geht es um Alltagserlebnisse, mal um Wünsche, mal um Gefühle. Die Aufgaben sind oft überraschend. Es heißt nicht etwa: „Beschreibe deinen ersten Schultag“ oder „Was hast du bei der Geburt deines Kindes gefühlt?“. So konkret wird es gar nicht, sondern man wird aufgefordert, beispielsweise über sein Lieblingslied zu schreiben. Ein paar Zeilen zu notieren, die Gedanken dazu. Und schon trägt einen die Erinnerung an bestimmte Orte, das eine oder andere Ereignis wird wieder erinnert, Gefühle wachgerufen. Es kann sein, dass man recht nah am Thema bleibt, aber ein anderes Mal wird man beim Schreiben von einer Assoziationskette weit fortgetragen.

Auf keinen Fall soll man lange recherchieren oder einen hohen literarischen Anspruch an sich und seinen Text stellen, sondern die Worte fließen lassen. Überarbeiten kann man später immer noch. Aber, so einer der Tipps, die am Ende jeder Aufgabe folgen, man sollte den ersten Versuch immer aufbewahren. Oft stellt sich erst später heraus, dass sie gar nicht so übel waren. Die Tipps sind gut geeignet, vor allem die Anfänger unter den Autoren Schritt für Schritt voranzubringen. Aber auch, wer schon mehr Erfahrung mit dem Schreiben hat, wird die eine oder andere neue Anregung finden. Die Tipps helfen beispielsweise bei Schreibblockade, dem Gefühl, nicht gut genug zu sein oder zeigen, wie man Material sammeln und ordnen kann.

Die verschiedenen Aufgaben zwingen den Schreiber gelegentlich auch, aus seiner gewohnten Schreibroutine, seinem gewohnten Schreibrhythmus auszubrechen. So wird man aufgefordert, knapp wie bei einer SMS zu schreiben, in Gedichtform oder einen Wunschzettel. Die Konzentration auf die ungewohnte Form bringt wieder ganz neue Gedanken aufs Papier.

Ebenso ansprechend wie die Aufgaben ist die Gestaltung des Buches. Das kleine, handliche Format sorgt dafür, dass es einen jederzeit begleiten kann, ob auf Geschäftsreise oder in den Urlaub. Die Schreibaufgaben sind schwarz gedruckt, die dazugehörigen Tipps grün, oft lockert eine kleine Illustration das Gelesene auf oder stößt gleich die erste Assoziation an, das Lesebändchen hilft, die aktuelle Woche wiederzufinden. Wer hübsche Notizbücher mag, wird sich auch am passenden Notizbuch erfreuen.

Ich habe das Buch nun wenige Wochen ausprobiert und bin mir sicher, dass man nach einem Jahr eine Menge interessanter Dinge über sich selbst herausgefunden UND seine Schreibfähigkeiten verbessert hat. Spaß macht es darüber hinaus auch noch. Und das Beste ist: Niemand hindert einen daran, das komplette Buch oder einzelne Aufgaben noch einmal zu bearbeiten. Ziemlich sicher wird beim zweiten Mal etwas ganz anderes herauskommen.

Ein wunderbares Buch, um die eigene Kreativität herauszukitzeln und gleichzeitig etwas über sich selbst zu erfahren.

Cover_Behnke_LebenalsTorte

Andrea Behnke: Mein Leben als Torte. Anleitung zum autobiografischen Schreiben. Don Bosco 2014. 96 Seiten, Euro 12,95, ISBN 978-3-7698-2108-6.

Dazu erhältlich: Mein Notizbuch zum autobiografischen Schreiben, ISBN 978-3-7698-2114-7.

Cover_Behnke_MeinNotizbuch

Zur Verlagsseite – zu Amazon

Ich danke dem Don-Bosco-Verlag für das Rezensionsexemplar.

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