Petra Busch: Deine Seele so schwarz

Kommissar Ehrlinspiels vierter Fall

Kommissar Ehrlinspiel ist genervt, als er die Leitung der Soko für den neuen Fall übertragen bekommt. Damit ist so viel lästiger Papierkram verbunden und seinen neuen Chef kann er sowieso nicht ausstehen. Dennoch macht er sich besonders energisch an die Ermittlungen, da sein Kollege Lukas Felber betroffen ist, der etwas eigenbrötlerische Kriminaltechniker. Bei einem Unwetter im Schwarzwald brachte ein Erdrutsch das Dach einer Werkstatt zum Einsturz. Darin kam Felbers Mutter Edith ums Leben. Was zuerst wie ein tragischer Unfall aussieht, entpuppt sich als Mord.

Der nächste Blitz brachte Gewissheit. Wie in Zeitlupe lösten sich vom Hang hinter der Werkstatt riesige Erdschollen und rutschten träge auf das Dach herab. Massen von schwerem Geröll rutschten nach.
Das konnte nicht sein! Durfte nicht sein! Nicht die Werkstatt!

Kollege Felber ist keine große Hilfe, ebenso wenig dessen psychisch labile Schwester Sarah, deren Jugend vom Unfalltod ihres Vaters überschattet wurde. Auch Nachbar David, mit dem sie früher zusammen war, gerät ins Visier der Ermittler. Doch je mehr Ehrlinspiel und seine Kollegen über die Familie herausfinden, desto undurchsichtiger wird alles.

Nicht ganz heile Familie

Wie so oft täuscht der erste Eindruck, den die Ermittler von der Familie bekommen. Die Entwicklung der wichtigsten Protagonisten wird glaubhaft und feinfühlig geschildert. Was ist wahr, was ist falsch? Was ist in der Vergangenheit wirklich vorgefallen und wo kommt nur das viele Geld her? Abwechselnd hält ein Erzähler über die Arbeit der Kriminalbeamten und die Handlungen und Gedanken der Verdächtigen und anderer Protagonisten auf dem Laufenden. Zwischendurch sind immer wieder in der Ich-Form geschriebene Kapitel in anderer Schrifttype eingefügt – wer dort erzählt, bleibt lange unklar, und selbst dann weiß man nicht so recht, was das mit den Ereignissen zu tun hat.

Spannungen im Ermittlerteam

Wie in den bisherigen Ehrlinspiel-Krimis erfahren die Leser auch einiges über das Privatleben des Kommissars, das allerdings gerade etwas auf Sparflamme fährt. Überstunden findet er daher nicht so schlimm. Mit seinem Kollegen Freitag bildet er ein gutes Team, doch die neue Kollegin Karolina Baumann sorgt ein wenig für Unruhe. Das größte Problem ist jedoch Kollege Felber, der zuerst nicht recht einsehen will, dass er zu nah dran ist, um sich mit dem Fall zu beschäftigen, dann aber plötzlich desinteressiert wirkt. In der großzügigen Auslegung von Regeln sind sie alle recht gut, was der Aufklärung des Falls zugute kommt, aber nicht dem ohnehin angespannten Verhältnis zu ihrem Chef.

Schatten der Vergangenheit

Petra Busch gelingt es meisterhaft, die Charaktere des Opfers, seiner Familienmitglieder und der Verdächtigen herauszuarbeiten. Immer mehr Verstrickungen werden offensichtlich, immer neue Hintergründe aufgedeckt. Dezente Andeutungen und Hinweise hier und da lassen die Leser glauben, die Ereignisse durchschaut zu haben. Tatsächlich werden die Leser äußerst geschickt in die Irre geführt. Mehrfach gab es für mich völlig überraschende Wendungen. Dieser Krimi lebt nicht davon, dass ständig weitere Morde geschehen oder verhindert werden müssen, er ist insgesamt ziemlich unblutig. Die Spannung wird hier auf viel subtilere Weise erzeugt, das liest sich großartig. Die überraschende Auflösung überzeugt!

Fazit: Petra Busch beschreibt die Geschichte einer nur auf den ersten Blick normalen Familie, in der sich immer mehr Abgründe offenbaren. Dabei führt sie ihre Leser ebenso wie die Ermittler geschickt in die Irre, sodass die Spannung immer weiter gesteigert wird, bis es zur überraschenden Aufklärung kommt. Das ist Unterhaltung auf hohem Niveau!

 

Petra Busch: Deine Seele so schwarz. Droemer Knaur 2017. 400 Seiten, Euro 9,99, ISBN 978-3-426-52130-4.

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2 Replies to “Petra Busch: Deine Seele so schwarz”

  1. Hallo!

    Das klingt nach einem Krimi ganz nach meinem Geschmack! Wenn die Krimi-Leseliste nicht schon so endlos lang wäre… Aber es kommt trotzdem mal auf die Wunschliste. 🙂

    LG,
    Mikka

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