Katja Heimann: Vitamin V wie Wohnung

Neustart mit Hindernissen

Nach der Trennung von ihrem Mann ist Übersetzerin Nora mit ihrem Sohn Colin nach Hamburg gezogen. Noch ist sie recht neu in der Stadt und kennt kaum jemanden, da wird sie durch eine Explosion in ihrem Haus obdachlos. Was nun? Sie ist sehr dankbar, dass ein netter älterer Herr aus der Nachbarschaft, den sie vor einiger Zeit kennengelernt hat, sie kurzerhand im Haus seiner Freunde einquartiert, die gerade im Urlaub sind. Welch eine Überraschung für Rea und Bruno, als sie aus dem Urlaub zurückkommen. Werden sie Nora und Colin bei sich wohnen lassen, bis sie eine Wohnung gefunden haben?

Wie nicht anders zu erwarten, bringen sowohl das ungewohnte Zusammenleben mit Fremden als auch die Wohnungssuche einige Schwierigkeiten mit sich. Außerdem muss Nora noch mit ihrem unfähigen Internetprovider und einem aufdringlichen Kollegen fertig werden, die unzuverlässige Mutter von Colins Freund ertragen und ihre Gefühle sortieren, denn völlig überraschend spielen auf einmal gleich zwei Männer eine Rolle in ihrem Leben.

Meine Augen registrierten, wie sich im oberen Teil der Vitrine die rechte Seite eines Glasbodens aus ihrer Halterung löste, eine Etage nach unten fiel und einige Cognacschwenker zermalmte, die im Weg standen. Mit furchtbarem Klirren rutschten die Weingläser auf der abschüssigen Glasplatte in ihr Verderben.

Wenn etwas schiefgeht, dann gründlich

Überaus humorvoll schildert Heimann die Aufs und Abs im Leben ihrer Protagonistin Nora. Mal erzählt Nora selbst, mal berichtet ein Erzähler. Dadurch lernt der Leser nicht nur Noras Gedanken und Gefühle kennen, sondern auch die Reas, Brunos, Eggerts und Thies’, was einem die Charaktere nahe bringt. In Noras Leben scheint im Moment alles schiefzugehen, was schiefgehen kann. Das wirkt jedoch niemals übertrieben oder aufgesetzt, sondern aus dem wahren Leben gegriffen. Was bei einer Wohnungssuche alles nicht passen kann, erlebt Nora: entweder ist die Wohnung eine Zumutung, die Umgebung, die Hausgemeinschaft oder die Vermieter. Auch das Durcheinander, das Noras Internetprovider anrichtet, glaubt jeder, der schon einmal entsprechende Fälle verfolgt hat.

Die Charaktere sind sehr glaubwürdig geschildert, allen voran die sympathische alleinerziehende Übersetzerin Nora, die mit jedem neuen Missgeschick der Verzweiflung näher ist. Nicht immer ganz so sympathisch ist Rea, deren Gefühlschaos zwar anstrengend für ihre Umwelt, aber überaus nachvollziehbar ist. Manchmal tat sie mir sehr leid, dann hat sie wieder überreagiert und sank in meiner Gunst. Bruno ist ein gutmütiger Mann, der Colin ins Herz schließt und immer zu beschwichtigen sucht. Beide sind etwas genervt von Noras Übereifer, immer sofort alles aufzuräumen – auch hier konnte ich beide Seiten gut verstehen. Überaus nervig: Lollo. Sie brachte mich schon beim Lesen auf die Palme, im wirklichen Leben müsste ich mich vermutlich ebenso sehr beherrschen, ihr nicht an die Gurgel zu gehen wie Nora. Sympathisch auch Eggert und Thies, wobei die beiden Männer ein wenig blasser bleiben. Wenn man als Leser so viele Gefühle gegenüber den Charakteren eines Buches entwickelt, weiß man, dass hier die Chemie stimmt. Womöglich liegt es aber auch daran, dass hier Typen dargestellt werden, wie sie jeder kennt.

Ich habe mich bei der Lektüre bestens unterhalten und mehr als einmal laut herausgelacht. Gestört hat mich eigentlich nur eins: der Titel. Er verrät zu viel, bei der frühen Erwähnung von Vitamin V wusste ich schon, worauf alles hinauslaufen würde. Letztlich hat das vielleicht die Spannung etwas getrübt, aber nicht das Vergnügen. Ansonsten: ein herrlich vergnüglicher Lesespaß!

Fazit: Eine spritzige, turbulente Komödie, die einfach gute Laune macht!

Katja Heimann: Vitamin V wie Wohnung. Tredition 2017. 332 Seiten, Euro 13,99, ISBN 978-37439-6960-5.

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