Technik in der Schule: Hektographieren und Stempeln

Literatenmelu hat in ihrem Blog eine Aktion zum Thema Bildung gestartet. Eine ihrer Fragen lautet: Welche Medien hast Du im Unterricht kennengelernt und auch selbst genutzt?

Denke ich an Medien in meiner Schulzeit, steigt mir sofort ein Geruch nach Lösungsmittel in die Nase und ich sehe eine Klasse voller Kinder vor mir, die verzückt an den gerade ausgeteilten Zetteln schnuppern. (Waren wir lauter kleine Schnüffler?) Gelbliches Papier mit  blasser lila Schrift bestimmte den Schulalltag während meiner Schulzeit in den siebziger Jahren und bis weit in die achtziger hinein. Wir nannten diese Zettel „durchgeleiert“, denn das war die Methode, mit der die Vervielfältigung vonstatten ging. Als Fachbegriff ist mir „hektographiert“ in Erinnerung geblieben. Wikipedia hilft mir weiter: „Die Hektographie … ist ein veraltetes Umdruckverfahren zur Vervielfältigung von Schriftstücken ohne Anwendung einer Presse, sondern mittels einer abfärbenden Vorlage, der Matrize.“ Auch der Lösungsmittelgeruch, der übrigens vom verwendeten Ethanol stammt, wird in dem Artikel erwähnt.

Eine Matrize, das Wort war mir entfallen, war etwas Wundervolles, weil Seltenes. Manchmal bekam man als Schüler eine solche ausgehändigt, um zuhause etwas darauf zu tippen oder auch mit der Hand zu schreiben, was für die ganze Klasse vervielfältigt werden sollte. Beispielsweise wanderte die Matrize von Schüler zu Schüler und jeder sollte – möglichst klein, möglichst ordentlich und bitte fest aufdrücken – ein Gedicht daraufschreiben. Ich hatte immer ein leichtes Gefühl von Panik, denn Fehler ließen sich nicht korrigieren und die Lehrer vermittelten uns immer den Eindruck, dass eine Matrize sehr teuer ist.

Es war ein tolles Gefühl, wenn man eine solche Vervielfältigung eines eigenen Textes in die Hand bekam – kaum noch vorstellbar in unserer Zeit der Kopierer und Drucker!

Ein weiteres Wunderwerk der damaligen Technik war der Stempel. Man kann sich heute kaum noch vorstellen, wofür Stempel alles benutzt wurden. Der Notenspiegel-Stempel ist auch heute noch gelegentlich im Gebrauch, aber einen Kartenstempel habe ich schon ewig nicht mehr gesehen. Heute drucken die Lehrer eine Arbeit mitsamt Karte einfach aus. Damals bekamen wir entweder ein hektographiertes Blatt, ergänzt um einen Stempel, oder einen Stempelabdruck in unser Heft. Dieser Abdruck war mehr oder weniger gut gelungen, und es war nun an uns, in diesem blassen Abbild Flüsse, Städte oder Gebirge zu erkennen. Eigentlich war es eine Zumutung, aber es war der Normalzustand, und irgendwie funktionierte es auch.

Hätte man mich vor dem Schreiben dieses Artikels gefragt, ob meine Schulzeit im Vergleich zur heutigen sehr altmodisch war, hätte ich dies spontan verneint. Schließlich wurden in dieser Zeit (gegen Ende) sogar Computer angeschafft. In der Oberstufe gehörte ich zum ersten Jahrgang, der Informatik belegen konnte – oftmals wussten die Schüler mehr als die Lehrer, die parallel zum Lehren lernten. Gleichzeitig begannen an meiner früheren Gesamtschule Computerkurse. An meinem Oberstufengymnasium gab es auch einen Fotokopierer, zugänglich für alle. Wenn ich nun aber meinen Bericht sehe wird mir bewusst, wie viel sich doch in relativ kurzer Zeit verändert hat, und welche Erleichterungen für den Schulalltag diese Entwicklungen mit sich gebracht haben.

Ein Gedanke zu “Technik in der Schule: Hektographieren und Stempeln

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