Robert Steudtner: Lawrence von Arabien. Held oder Verräter?

Thomas Edward Lawrence wurde 1888 in eine für die damalige Zeit etwas ungewöhnliche Familie hineingeboren: Seine Eltern waren nicht verheiratet, sodass die Familie häufig umzog, damit niemand dahinterkam. Schon als Junge legte er ziemlichen Ehrgeiz an den Tag, wenn ihn etwas reizte. So machte er mehrere wochenlange Radtouren durch Frankreich mit einem beeindruckenden Pensum an gefahrenen Kilometern. Dabei fotografierte er mittelalterliche Burgen. Dieses Interesse brachte ihn auch zu seinem Studienfach Geschichte. Für seine Abschlussarbeit über Kreuzfahrerburgen zog zu Fuß durch Syrien und Palästina. Diese erste Orient-Erfahrung gefiel ihn so sehr, dass er begeistert annahm, als ihm sein Professor ihm die Mitarbeit an archäologischen Ausgrabungen anbot.

Dort lernte er nicht nur schnell Arabisch, sondern auch, sich zu kleiden und zu geben wie ein Araber. Diese Fähigkeiten führten dazu, dass er nach Ausbruch des 1. Weltkrieges während seiner Militärzeit von den Engländern mit geheimen Aufgaben betraut wurde. Lawrence, der mittlerweile den Beinamen „von Arabien“ erhalten hatte, überredete die Araber zum Aufstand gegen die Osmanen, unterstützte sie im Kampf und war selber zutiefst enttäuscht, als sie am Ende keinen eigenen Staat erhielten. Er fühlte sich als Verräter …

Die Szenen um Lawrences Leben werden unterbrochen durch Hintergundinformationen und Erklärungen – auch zur aktuellen politischen Lage im Nahen Osten – des in Syrien geborenen Archäologen Mamoun Fansa, sodass auch die Auswirkungen von Lawrence Taten deutlich werden.

Dies ist es, was mir besonders gut gefällt: dass die historischen Ereignisse in eine Beziehung zu der heutigen Situation im Nahen Osten gesetzt werden. Es wird deutlich, dass das Verhalten der Briten und Franzosen während und nach dem 1. Weltkrieg die Grundlage für aktuelle Konflikte gelegt hat. Ähnlich wie auch in Afrika wurden Stämme und Volksgruppen durch Grenzziehungen auf dem Papier getrennt und mit verfeindeten Gruppen in einem Land zusammengewürfelt. Dies ist alles nicht so leicht zu verstehen, aber nachdem man zum einen die spannenden Erlebnisse des „Helden von Akaba“ verfolgt und zum anderen den kompetenten Erläuterungen Fansas gelauscht hat, sieht man doch um einiges klarer. Die Hintergrundmusik und die Geräusche lassen einen häufig fühlen, als wäre man vor Ort, würde durch die Wüste reiten oder sich im Schlachtgetümmel befinden. Keine Minute langweilig, verständlich ausgedrückt und spannend aufbereitet – das ist eine Art von Geschichtsvermittlung, die ich liebe!

Bisher habe ich die Hörbücher aus der Reihe „Abenteuer und Wissen“ immer in meinem zweiten Blog Kinderohren besprochen, da sie schon Kindern ab etwa 8 oder 9 Jahren Geschichte auf faszinierende Art näherbringen. Weil sie aber auch ein Hörgenuss für Erwachsene sind, habe ich mich entschlossen, eins davon zur Abwechslung hier vorzustellen. Wer sich für weitere Rezensionen von Hörbüchern aus dieser Reihe interessiert, schaue bitte hier.

Robert Steudtner: Lawrence von Arabien. Held oder Verräter? Headroom 2012. 80 Minuten, Euro 12,90, ISBN 978-3-942175-18-0 .

Sprecher: Frauke Poolman, Louis Friedemann Thiele, Zakaria Benhamza, Gandi Mukli, Samuel Namazi, Leon Uebe, Georg Höppner, Katharina Wolter, Robert Steudtner, Ben Steinhoff, Oliver Krietsch-Matzura, Lutz Riedel, Jochen Bussem, Volker Niederfahrenhorst, Gunnar Kolb und Mamoun Fansa

Regie: Theresia Singer

Dem Headroom-Verlag ein herzliches Dankeschön für das Rezensionsexemplar!

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