G. Bode Hoffmann, M. Hoffmann: Infantizid

Als in Weimar ein Geldtransporter überfallen und ausgeraubt wird, hält die Kripo dies zunächst für einen ganz normalen Raubüberfall. Wenig später melden sich jedoch Kollegen der Autobahnpolizei und berichten von einem schweren Unfall auf der A 4, nach dem in einem Auto Geldkassetten gefunden wurden. Der Fahrer ist schwer verletzt, flüstert aber noch einen Namen. Die Polizei macht den Genannten, Matt Klatt, ausfindig und bringt ihn ins Krankenhaus. Von da an wird die Sache immer merkwürdiger: Wieso hat der Verletzte einen hervorragend gemachten Ausweis auf falschen Namen? Wieso begeht ein angeblicher Pazifist einen Raubüberfall? Wieso war das Geld für Matti Klatt, der ihn jahrzehnte nicht gesehen hat? Und was hat es mit der geheimnisvollen Botschaft auf sich? Matti Klatt soll sich bei einer Telefonnummer in Erfurt melden und Unterlagen über „Infantizid“ anfordern.

Hauptkommissar Bräuning und seine Kollegen stehen vor einem Rätsel. Glücklicherweise erklärt sich Matti Klatt, der während seiner Armeezeit in der DDR bei einer Spezialeinheit ausgebildet wurde, bereit, mit ihnen zusammenzuarbeiten. Schnell merken Sie, dass sie es mit einem groß angelegten Komplott zu tun haben: Geplant ist ein Umsturz in der Bundesrepublik. Hochrangige Persönlichkeiten sind darin verwickelt, sodass die Polizisten die Information nicht einfach auf dem Dienstweg nach oben weiterreichen können. Sie müssen andere Wege suchen. Matti Klatt merkt schnell, dass er sich auf ein gefährliches Abenteuer eingelassen hat, aus dem es kein Zurück gibt. Sein Weg führt ihn nach Litauen.

Für wann ist der Umsturz geplant? Die Ermittler stehen unter Zeitdruck, denn sie haben den Eindruck, dass es jeden Tag losgehen kann. Fieberhaft wird an einem Gegenplan gearbeitet, aber die Verschwörer dürfen nichts davon mitbekommen.

Sehr schnell war ich von der spannenden Handlung gefesselt. Die Darstellung machte auf mich überwiegend einen sehr fachkundigen Eindruck, viele Details machten die Schilderung glaubhaft. Ich konnte mir gut vorstellen, dass so etwas so passieren könnte. Die Insiderkenntnisse sind nicht zu übersehen.  Die Idee, dass sich unzufriedene Menschen zusammentun, die entweder aus einer hohen Position abgerutscht sind (durch die Wende, durch persönliche Verfehlungen) oder in der zweiten Reihe stehen und es nicht ganz ins Zentrum der Macht schaffen, wirkte auf mich realistisch. Sie wollen die Regierung stürzen. Der Plan, wie die neue, bessere Regierung aussehen soll, überzeugte mich allerdings nicht so ganz. Die Geschichte nahm sehr schnell Fahrt auf, dann konnte ich das Buch kaum mehr aus der Hand legen. Ich fand viele Einfälle originell und nicht schon tausendfach gelesen. Außerdem hat es mir Spaß gemacht, dass ich einige Örtlichkeiten kannte, da ein Teil der Handlung in Weimar und Erfurt spielt. Aber das nur am Rande.

Sprachlich bin ich ein paar Mal gestolpert, manche Personenbeschreibungen hätte gerne etwas knapper sein dürfen, aber letztlich war ich so gefangen, dass mir das auch egal war.

Eine unbedingte Empfehlung für alle Fans von Politthrillern  (die Bezeichnung „Kriminalroman“ finde ich nicht ganz passend) mit einer guten Portion Action!

Cover_Hoffmann_Infantizid

Grit Bode-Hoffmann, Matthias Hoffmann: Infantizid. Gmeiner 2014. 436 Seiten, Euro 11,99, ISBN 978-3-8392-1513-5.

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