Marlis Maehrle: Unikat. Handgemachte Bücher binden & gestalten

Wunderschöne Bücher, Kladden und Hefte einfach selber machen

Bücher selber zu binden ist etwas, was ich irgendwie immer schon können wollte. Ein wunderschönes Handwerk, wie ich finde. Umso mehr verlockte mich dieses Buch, das versprach, das endlich einmal ausprobieren zu können.

Einfach und einzigartig
sollten die Bücher sein, die aus den folgenden Anleitungen entstehen können. Dies ist somit kein gewichtiges Lehrbuch der traditionellen Buchbindekunst, sondern eine luftige Spielwiese für die Vielfalt an Gestaltungsmöglichkeiten, die einem bereits ganz einfache Buchbindetechniken anbieten. Anregungen zur Gestaltung von Inhalt und Umschlag sowie deren experimentelle Abwandlungen vermitteln die Grundlage für ganz eigene, individuelle Arbeiten. (aus dem Vorwort)

Das Buch beginnt mit einer kurzen Geschichte der Buchbinderei und Begriffserklärungen, die für die spätere Arbeit unerlässlich sind. Es folgt eine Vorstellung der benötigten Werkzeuge. An dieser Stelle war ich erst einmal ernüchtert: Das alles würde ich benötigen? Später sollte sich jedoch herausstellen, dass man für die ersten, einfachen Bücher noch nicht alles benötigt. Also kann man erst einmal ausprobieren, ob einem diese Basteleien überhaupt Spaß machen. Wenn ja, wird man die Werkzeuge gerne anschaffen, zumal sie überwiegend nicht so teuer sein dürften.

Als nächstes geht es ums Material (ich hatte nicht gewusst, wie wichtig die Laufrichtung des Papiers ist), bevor die ersten Grundtechniken vermittelt werden: falzen, reißen, schneiden, Buchdeckel beziehen. Nein, danach geht es immer noch nicht richtig los, denn es geht um den Arbeitsplatz. Eigentlich ist die Buchbinderei nichts für mich, denn man muss seinen Arbeitsplatz immer peinlich ordentlich halten. Aber die Autorin arbeitet auch noch an der Umsetzung dieser Aufgabe, also besteht vielleicht Hoffnung.

Jetzt aber: Es geht los mit den Projekten. Zunächst einmal werden Schnelle Bücher für Einzelblätter gezeigt. Es ist beeindruckend, wie schöne Bücher man aus etwas Papier und Pappe mit ein paar Hilfsmitteln wie simplen Papierklemmen oder einem Bambusstäbchen herstellen kann. Das kann jeder! Hat das geklappt, kann man sich an die Rückenstichheftung machen. Im folgenden Kapitel war ich sehr überrascht von den verschiedenen Arten von Faltbüchern, in die man sogar Pop-ups einbauen kann. Auch unterschiedliche Buchdeckel werden hier vorgestellt. Ich hätte nie gedacht, dass man mit doch recht einfachen Mitteln sogar Reliefs und Prägungen herstellen kann, die optisch natürlich sehr viel hermachen. Zu Nadel und Faden muss man bei der japanischen Blockheftung greifen. Gut zum Sammeln von Eintrittskarten, Postkarten oder anderen Kleinigkeiten eignen sich die Buchformen mit Sammeltaschen. Eins der Bücher wird sogar aus Brottüten hergestellt. Als letzes Projekt kommen kleine, leichte Buchformen, die zum Beispiel aus Briefumschlägen hergestellt werden. Den Abschluss des Buches bilden die Grundlagen der Seitengestaltung, bei denen die Leser einiges über Typografie, Ränder und Co. lernen. Zum Schluss gibt es noch Motive, Vorlagen, Bezugsquellen und Hinweise auf weiterführende Lektüre.

Schritt für Schritt erklärt

Schritt für Schritt und sehr verständlich wird erklärt, wie man vorgehen muss, um das gewählte Buchprojekt zu verwirklichen. Viele Fotos begleiten die einzelnen Arbeitsschritte, sodass man auch sehen kann, wie das jeweilige Zwischenergebnis aussehen muss. Mir hilft das immer sehr, falls ich mal eine Erklärung nicht verstehe. Zu Anfang wird übersichtlich am Rand aufgelistet, welches Material und welche Werkzeuge benötigt werden, manchmal gibt es, ebenfalls auf dem Randstreifen, Tipps, was man tun kann, wenn etwas nicht wie gewünscht klappt oder wie man besondere Effekte hervorrufen kann.

Ich bin begeistert von der Vielfalt der Buchprojekte. Nicht nur durch die verschiedenen Bindetechniken, sondern auch durch die so unterschiedlichen Materialien, die verwendet werden, kommen ganz individuelle und wunderschöne Bücher (oder meist eher Hefte) dabei heraus. Ich bin verblüfft, was man aus etwas Papier und Pappe herstellen kann! Besonders ins Herz geschlossen habe ich die Faltbücher in der Dose, die ich demnächst ausprobieren möchte. Weihnachten naht schließlich.
Hier entstehen keine klassischen Bücher. Das ist vielleicht auch ganz gut, denn als Anfänger möchte man üblicherweise ja kein 300-Seiten-Buch mit Goldschnitt herstellen. So kann man einfach herumprobieren, dabei viel lernen und trotzdem ansprechende, überraschende, ja vielleicht sogar künstlerische Bücher hervorbringen.

Fazit: Ein übersichtlich gestaltetes Bastelbuch mit gut verständlichen Anleitungen und vielen Projektvorschlägen, bei denen ein selbst gestaltetes Buch schöner als das andere ist. Wer Lust hat, das Buchbinden einmal auszuprobieren, liegt mit diesem Buch wirklich richtig.

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Marlis Maehrle: Unikat. Handgemachte Bücher binden & gestalten. Haupt 2016. 192 Seiten, Euro 29,90, ISBN 978-3-258-60145-8.

Zur Verlagsseite (für Kunden aus der Schweiz gibt es dort gerade Rabatt) – bei Amazon – über Buchhandel.de – und in jeder Buchhandlung.

Ich danke dem Verlag für das Rezensionsexemplar.

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