Olga Witt: Ein Leben ohne Müll. Mein Weg mit Zero Waste

Müll: weniger ist mehr

Leben ohne Müll – geht das? Nun, das ist natürlich leichter gesagt als getan. Olga Witt zeigt in ihrem Buch aber, wie man Schritt für Schritt immer mehr Müll vermeiden kann. Sie beginnt an einem Punkt, der den meisten noch vergleichsweise leicht fallen dürfte, nämlich mit Einweggeschirr, Servietten und Teelichten in Aluminiumkapseln. Doch dann wird es schnell herausfordernder. Wie und wo kann man Lebensmittel einkaufen, ohne haufenweise Plastik dazuzubekommen? Wie sieht es mit Reinigungsmitteln aus, wie mit Körperpflegeartikeln und Kosmetika und all den Sachen für Schule und Büro? Um weniger Müll zu produzieren ist es sinnvoll, vieles selber zu machen. Daher enthält das Buch auch viele Rezepte, zum Beispiel für Reinigungsmittelm und erläutert, was die Aufschriften auf den Verpackungen bedeuten. Durch das Selbermischen verzichtet man auch gleich auf viel unnötige Chemie, die nicht mehr an unsere Haut und ins Abwasser gelangt.

Witt geht auch auf die Folgen ein, die Müllvermeidung auf unser Leben hat. Was ist, wenn der Partner nicht mitzieht oder der (jugendliche) Nachwuchs? Wie reagieren Familie und Freunde, wenn man keine (herkömmlichen) Geschenke mehr bekommen möchte oder sich weigert, mal eben Essen beim Lieferservice zu bestellen?

Doch natürlich geht es in dem Buch nicht nur um die Praxis. Was ist eigentlich Müll, warum ist er so problematisch, welcher Müll lässt sich wie reduzieren, welche Sachen können wiederbenutzt oder recycelt werden (reduce, reuse, recycle)? Was für Auswirkungen hat unser Lebensstil auf die Natur und auf andere Menschen? Die theoretischen Abschnitte vermitteln den Lesern das nötige Grundwissen, um zu verstehen, warum es so dringend notwendig ist, Müll zu reduzieren, warum Recycling nicht in jedem Fall sinnvoll ist usw.

Und wie klappt das in der Praxis?

Man merkt der Autorin gut an, dass sie diesen Weg der Müllvermeidung vor nicht allzu langer Zeit selber gegangen ist. Sie weiß genau, wo die Probleme liegen. So weist sie darauf hin, dass es nicht sinnvoll ist, als Allererstes auf sein Lieblingslebensmittel zu verzichten, weil es aufwendig eingepackt ist. Dann würde man vermutlich schnell die Lust verlieren. Natürlich gebe es Menschen, die ihr Leben von heute auf morgen radikal ändern könnten, aber die meisten von uns könnten das vermutlich nicht.

Zero Waste zu leben bedeutet aber nicht, in die Wildnis auszuwandern, sondern dieser Utopie entgegenzustreben. Dabei geht es nicht um einen perfektionistischen Anspruch. Und auch nicht darum, voller Stolz einmal im Jahr sein Einmachglas mit Müll zu präsentieren. Menschen, die das tun, sind wichtig, denn sie machen uns auf das Problem aufmerksam und zeigen uns Lösungen. Sie sind unsere Vorbilder. Aber jeder, der anfängt, Verschwendung dort zu minimieren, wo sie vermeidbar ist, lebt bereits den Gedanken von Zero Waste.

Es werden also nicht gleich unerreichbare Forderungen an den Leser gestellt. Der eine stellt vielleicht schnell fest, dass es ihm Spaß macht, Spülmittel und Haarshampoo selber herzustellen, der andere hat einen Unverpacktladen in der Nähe und beginnt damit, zumindest die Sachen, die er dort bekommt, dort einzukaufen. Der Nächste steigt doch wieder von den Kaffeekapseln auf loses Pulver um, wieder ein anderer kauft seine Klamotten ab sofort überwiegend im Second-Hand-Laden und der Letzte lehnt kostenlose Zeitungen, Werbegeschenke und Plastiktüten ab. Kleine Schritte sind für die Autorin okay, da sie glaubt, dass das Bewusstsein für das Problem im Laufe der Zeit zunimmt und man dann von alleine weitergeht. Sie selber hat beispielsweise anfangs bei Freunden noch Pralinen oder aufwendig verpackte Süßigkeiten gegessen, auch wenn sie sie nicht mehr gekauft hat. Heute isst sie lieber ihre selbst gebackenen Plätzchen.

Das Buch vermittelt viel Hintergrundwissen und bringt viele praktische Tipps mit. Man merkt, dass die Autorin in der Stadt wohnt, manches ist für mich als Dorfbewohnerin nicht so leicht umzusetzen. Zum Beispiel bezweifle ich, dass es ökologisch sinnvoll wäre, zum Einkaufen 30 Kilometer nach Erfurt zum nächsten Unverpacktladen zu fahren. Man muss eben sehen, wie man das in die eigene Lebenswirklichkeit einbauen kann. Es gab einige wenige Stellen, die bei mir Widerspruch hervorgerufen haben. Auch gibt es das eine oder andere, bei dem ich mir nicht vorstellen kann, darauf zu verzichten (Toilettenpapier!). Aber egal: Es gibt so viele andere Punkte, an denen man ansetzen kann.

Anfangen – ein erster Erfahrungsbericht

Ich fange dann mal mit einem der ersten Vorschläge an: Papierservietten durch Stoffservietten zu ersetzen.Vor Kurzem habe einen ganzen Stapel Stoffservietten geschenkt bekommen, das passt. Allerdings reichen meine Vorräte vermutlich für die nächsten zwei Jahre … Das gilt auch für Teelichte, die sehr selten brauche.
Ich verzichte schon länger weitgehend auf Plastiktüten und habe mir ins Handschuhfach des Autos einen Thermobecher gelegt. Zufällig habe ich letzte Woche gesehen, dass es im McCafé einen Platz gibt, auf dem man mitgebrachte Becher abstellen darf (wegen der Hygienevorschriften), der Kaffee kostet dann 10 Cent weniger. Das finde ich super!
Für den Einkauf von Obst und Gemüse habe ich mir Netze bestellt (ja, die kommen dann auch wieder verpackt, mir ist bewusst, dass das doof ist).
Beim Fleischer hätte ich beinahe gefragt, ob ich meine Tupperdose mitbringen darf, habe mich dann aber doch nicht getraut. Nächstes Mal.
Joghurt habe ich in größeren Gläsern statt in Plastikbechern gekauft.
Wenn meine Reinigungsmittel zur Neige gehen, werde ich einmal ausprobieren, das eine oder andere selber zusammenzumischen. Manche Rezepte sind wirklich sehr einfach. Und Seife gibt es demnächst wieder am Stück statt flüssig.
Ein Problem sind übrigens meine Rezensionsexemplare, unsere Papiertonne ist immer voller Verpackungen. Manche hebe ich zur Wiederverwertung auf, aber so viel brauche ich einfach nicht. Klar, die Lösung wären E-Books, aber zumindest die Kinderbücher wandern ja in die Kinderbibliothek, das ist mir sehr wichtig.

Fazit: Ein praxisnaher Ratgeber zur Müllvermeidung im täglichen Leben, der Hintergrundwissen ebenso vermittelt wie das nötige Know-how. Spannend zu lesen und mit viel Stoff zum Nachdenken.

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Olga Witt: Ein Leben ohne Müll. Mein Weg mit Zero Waste. Tectum 2017. 280 Seiten, Euro 18,95, ISBN 978-3-8288-3843-7.

Zur Verlagsseite – bei Amazon – bei Buch7 – im Onlineshop eurer Buchhandlung – oder in der Buchhandlung um die Ecke.

Ich danke dem Verlag für das Rezensionsexemplar.

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