Eva Engelken: Drei Küsse für Herkules

Griechische Götter in wichtiger Mission

Zeus, Hera und Dionysos, genannt Dio, sind in wichtiger Mission nach Deutschland unterwegs. Es geht um nicht weniger als um die Rettung griechischer Kulturgüter. Sie werden als Vertreter der griechischen Regierung auftreten. Eigentlich sollte das Ziel Berlin lauten, aber Dio hat ein wenig manipuliert. Er möchte unbedingt nach Düsseldorf. Zum einen wohnt dort sein Halbbruder Herk, vormals als Herkules bekannt, außerdem möchte er endlich einmal Karneval miterleben. Die Reise der Götter endet mit einer Bruchlandung und auch sonst geht einiges schief. Herkules droht seinen Status als Halbgott zu verlieren, was bedeuten würde, dass er nicht mehr wiedergeboren wird. Zu seinem Entsetzen stellt Dio fest, dass er in diesem Leben absolut nichts Herausragendes geleistet hat. Die inzwischen nachgereiste Aphrodite stellt fest, dass nur die absolute Liebe einer Frau dabei helfen kann.

Herk kam in sein Blickfeld. Diesmal konnte er die Frau besser betrachten. Das war unter Garantie keine Jungfrau, die sein Halbbruder da abgeschleppt hatte. Die war ja nicht mal jung. Sie sah hübsch aus, trotz ihrer merkwürdigen Kappe, und ihre Augen strahlten, aber sie war mit Sicherheit über dreißig. Jetzt legte die Frau ihre Hand auf Herk Schulter, und Dio erstarrte. An einem Finger steckte ein Ehering.
Als sich die Polonaise der Liebesgöttin näherte, schrie er: „Bist du sicher, dass das die richtige Frau für ihn ist?“

Hier kommt Vivian ins Spiel, verheiratet, gestresste Mutter dreier Kinder, mit noch wenig Erfolg selbstständig und nicht wirklich zufrieden in ihrer Ehe. Im Karnevalsgetümmel wird sie versehentlich vom Liebeszauber getroffen.

Nun entfaltet sich eine verwickelte Geschichte: Wird Vivian Untreu werden? Kann sie das mit ihrem Gewissen vereinbaren? Was geschieht mit ihrer Ehe? Und vor allem: Wird sie Herk zur Unsterblichkeit verhelfen können? Will Herk das überhaupt?

Viele Götter, viel Chaos

Die Götter verfolgen unterschiedliche Interessen: Dionysos will Herk helfen und Spaß haben, Zeus ist mit seinem Sohn nicht zufrieden und möchte der Einfachheit halber einen neuen zeugen, Hera möchte die griechischen Kulturgüter retten, aber gleichzeitig nebenher ihren untreuen Ehemann am Fremdgehen hindern. Natürlich treten sie nicht als Götter auf, legen aber manchmal etwas auffällige Verhaltensweisen an den Tag. Ich fand sie teilweise sympathisch, teilweise aber auch eher nervig. Zeus beispielsweise ist mir ziemlich auf die Nerven gegangen, während Aphrodite faszinierend ist und Dio wie ein guter Kumpel wirkt.

Herk ist ein gebrochener Mensch, äh, Halbgott. Er hat in seinem Leben nicht viel auf die Reihe bekommen, ist Alkoholiker und will nicht, dass Vivian da hineingezogen wird. Auch wenn er körperlich sehr attraktiv ist und natürlich Aphrodites Spray eine wichtige Rolle spielt, konnte ich Vivians Faszination für ihn nicht richtig nachvollziehen. Okay, der Sex mit ihm ist göttlich, aber sie fährt ja schon vorher total auf ihn ab. Herk war mir nicht sympathisch, eher tat er mir leid.

Vivian ist mit ihrem Leben ziemlich überfordert. Sie will eine gute Hausfrau sein, aber immer kommt allerhand dazwischen, weshalb meist das Chaos herrscht. Ähnlich geht es ihr mit ihrer noch jungen Selbstständigkeit. Nur selten kommt sie dazu, einmal in Ruhe zu arbeiten. Dabei braucht sie den Erfolg für ihr Selbstbewusstsein und ihre Unabhängigkeit. Auch mit ihrer Ehe liegt einiges im Argen, obwohl sie ihren Mann eigentlich ganz gut findet. Dennoch fühlt sie sich von Herk sehr angezogen und muss deshalb viele innere Kämpfe austragen. Sie ist recht lebensnah geschildert und in manchen Aspekten konnte ich mich gut in sie hineinversetzen. Allerdings gab es auch Situationen, wo ich über ihr Verhalten den Kopf geschüttelt habe. Aber lieber eine Protagonistin, die ein wenig polarisiert, als eine langweilige, vorhersehbare!

Turbulenter Liebesroman

Schon klar, dass das Auftauchen von griechischen Göttern dafür sorgt, dass in diesem Roman einiges anders abläuft, als man es in einer vergleichbaren Geschichte erwarten könnte. Vivian zweifelt verständlicherweise einige Male an ihrem Verstand. Sie lebt ein Leben wie viele andere Frauen, zerrissen zwischen Beruf und Familie, eigenem Anspruch und Wirklichkeit. Und zu allem Überdruss kriselt es auch in ihrer Ehe. Eigentlich ist ihr vor allem eins: langweilig. An diesem Punkt werden sich viele Leserinnen mit ihr identifizieren können. Doch was dann passiert, sprengt den üblichen Rahmen. Das kann einfach nicht wirklich sein! Und irgendwie ist es das ja auch nicht. Sobald Dionysos, Hermes und Aphrodite ihre Finger im Spiel haben, ist nichts mehr, wie es war. Das sorgt dafür, dass es etliche überraschende Wendungen und unerwartete Ereignisse gibt, die dafür sorgen, dass die Handlung nicht vorhersehbar und nie langweilig ist. Und auch die heißen Sexszenen sind irgendwie nicht von dieser Welt! Dennoch gibt es auch nachdenkliche Momente, wenn es etwa um Prostitution oder Pornografie geht, was zeigt, wie vielschichtig das Buch ist.

Trotz der Dicke lässt sich der Roman flott lesen, er bietet einige überraschende Wendungen, etliche lustige Momente und ein paar originelle Sexszenen. Auch das Ende ist nicht, wie ich es erwartet hätte. Langweilig ist dieses Buch definitiv nicht!

Fazit: Rasanter, humorvoller und origineller Liebesroman

Eva Engelken: Drei Küsse für Herkules. Edition Eva & Adams. 464 Seiten, Euro 15,99, ISBN 978-3-9819902-1-8.

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