Mehr Farben für Jungs

[Hierbei handelt es sich um einen Artikel aus meinem ehemaligen Blog. Der ursprüngliche Titel war: „Mehr ROT für Jungs“, wurde jedoch auf Vorschlag eines Kommentators geändert.]

Basieren die Farbvorlieben der Geschlechter auf Erziehung? Sind sie kulturell bedingt oder  tatsächlich im Genmaterial der Menschen angelegt?

Tests in Großbritannien haben gezeigt, dass die Lieblingsfarbe der meisten Menschen Blau ist. Darüber hinaus würden Frauen eher zu rötlichen, Männer zu blaugrünen Tönen neigen (Berliner Morgenpost vom 12.08.09). Zusätzlich zu den britischen Probanten wurden Chinesen befragt, bei denen die Ergebnisse ähnlich aussahen. Daraus schließen die Forscher, dass die Farbvorliebe biologisch bedingt ist. Sie vermuten, dass die Evolution die Frauen dazu getrieben habe, rötliche Farben zu bevorzugen, da sie für die Sippe Beeren sammeln mussten.

Ich möchte diese Untersuchung nicht anzweifeln, aber meine Erfahrung als Mutter zweier Söhne macht mich zumindest skeptisch … Die Lieblingsfarbe meines Jüngsten ist Rot. Schon immer. Und da ist er keineswegs der einzige Junge im Bekanntenkreis. Aber schon im Kindergarten sortierten sich die Geschlechter auseinander. Fast alle Mädchen liebten Rosa in allen Schattierungen, während  die erste Lektion der Jungs lautete: „Rosa ist `ne Mädchenfarbe!“ Viele Jungs tendierten zu Blau, die meisten zeigten wenig Interesse an der Farbe ihrer Kleidung und zogen klaglos an, was Mutter ihnen hinlegte: schicke Klamotten in Khaki, Beige und Oliv. Mein Sohn aber wollte – Rot! Haben Sie schon einmal versucht, rote Hosen für einen Jungen zu kaufen? Das ist fast ein Ding der Unmöglichkeit. Und bitte, schauen Sie genau hin. Wenn sie nämlich nach Hause kommen, und Ihr Sohn entdeckt rosa Stickblümchen an Saum oder Hosentasche, war der Weg umsonst. An Ende resignieren Sie und kaufen doch eine Hose in Blau oder Tarnfarben, ich verspreche es Ihnen!

Nun gut, die Modemacher. Was meint die Gesellschaft?

Es ist mal wieder Kindersachenbasar. Ich habe ausgeräumt und möchte einiges verkaufen. Die Mütter sortieren die Kleider beim Einräumen ein wenig nach Geschlechtern. Und dann passiert es – jedes Mal: „Häng die orangefarbene Jacke da drüben zu den Mädchensachen.“ – „Ähm, das war mal die Lieblingsjacke von meinem Sohn!“ – verwunderter Blick: „Das ist doch eine Farbe für Mädchen.“ Woraufhin ich jedes Jahr eine (fruchtlose) Diskussion über das Recht der Jungen auf Farben beginne.

Das aktuellste Beispiel. Mein Sohn braucht eine Brille. Mein Sohn will aber keine Brille. Die stört nämlich, wenn man Torwart ist. Mit Engelszungen rede ich auf das Kind ein und verspreche ihm eine schöne rote Brille. Auf zum Optiker. Die erste Frage der Optikerin lautet denn auch promt: „Was ist denn deine Lieblingsfarbe?“ – „Rot!“ – „Hmm, die roten Brillen sind eher für Mädchen. Probier doch mal die!“, und reicht ihm eine in Dunkelgrau. Möglicherweise modern, aber in seinen (und meinen) Augen potthässlich für einen Neunjährigen. Am Ende griff meine Sohn zur Selbsthilfe und nahm selber die Brillen aus dem Schrank, die ihm interessant erschienen. Seine neue rote Brille steht ihm wirklich gut!

Und das soll Biologie sein? Wenn Mütter, Erzieherinnen, Verkäufer und Modeschaffende aller Welt einreden, dass rosa, rot, orange und alles, was sonst noch strahlt, für Mädchen und Frauen ist, während Jungs gefälligst in Sack und Asche zu gehen haben (sprich Khaki, Oliv, Dunkelblau, Grau und Schwarz), dann braucht sich keiner darüber zu wundern, dass das männliche Geschlecht spätestens mit 15 keine leuchtenden Farben mehr anziehen mag. Obwohl sie auch gerne Beeren essen. Mir tun die Jungen leid. Mehr Farben für Jungs!

Ein Gedanke zu “Mehr Farben für Jungs

  1. Ach wie wahr! Wie viele Stunden habe ich doch schon damit vergeudet, nach bunten Kleidern für meine Söhne zu stöbern! Und am Ende liefen sie doch wieder in den ihnen so verhassten braunen Hosen und marineblauen Pullovern rum.

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