Bill Bryson: Mein Amerika

Als ich vor dem Urlaub in einer Wühlkiste mit heruntergesetzten Büchern kramte, die vor einer Buchhandlung stand, fiel mir ein Buch von einem Autor namens Bill Bryson in die Hände. „Bryson“, überlegte ich, „ist das nicht der mit ‚Eine kurze Geschichte von fast allem‘?“ Ich stellte fest, dass das alles war, was ich über diesen Autor wusste. Nun hielt ich seine „Erinnerungen an eine ganz normale Kindheit“ in den Händen. Ich fand, dass das ganz interessant sein könnte und nahm das Buch ohne große Erwartungen mit. Nie hätte ich ich erwartet, dass mir dieses Buch so großes Vergnügen bereiten würde.

Bryson beschreibt seine Kindheit in einer amerikanischen Kleinstadt der 50er-Jahre (Des Moines) mit allem was dazugehört: Zum einen die ganz persönlichen Erlebnisse mit den Eltern, in der Schule, bei die Spiele mit anderen Kindern, ersten Liebschaften und den üblichen kleinen und größeren Schrammen. Und wie er das beschreibt – himmlisch! Auch wenn sich manches von einer deutschen Kindheit der 70er unterscheidet, in der ein oder anderen Erzählung habe ich mich doch wiedergefunden. Vor allem aber bereitete mir sein ironischer Stil große Freude, ich bin des öfteren in schallendes Gelächter ausgebrochen. Über diese sehr persönlichen Erinnerungen hinaus bettet Bryson seinen Bericht in „die großen Ereignisse“ ein. Ob die Auswirkungen des Wirtschaftsbooms auf seine Familie, den Atombombenabwurf auf Hiroshima und seine Rezeption in der amerikanischen Gesellschaft (allein deswegen wäre das Buch lesenwert!) oder die Einführung des Farbfernsehers, Bill Bryson lässt amerikanische Kulturgeschichte greifbar und lebendig werden. Jedes Kapitel beginnt mit einem kleinen Zeitungsausschnitt, häufig einer kleinen Meldung aus dem Bereich Vermischtes oder dem Ergebnis einer Studie, der einen zweifeln lässt, ob solcherlei tatsächlich einmal in der Zeitung gestanden hat. Abgerundet wird das Buch durch einige Fotos.

Ein rundum kurzweiliger Lesespaß, der dem Leser auf vergnügliche Art die amerikanische Gesellschaft der 50er-Jahre näherbringt!

Bill Bryson ist Journalist, lebt mittlerweile in Großbritaninnien, wo er der „erfolgreichste Sachbuchautor der Gegenwart“ (Klappentext) ist. Neben „Eine kurze Geschichte von fast allem“ wurde u. a. sein Englandbuch „Reif für die Insel“ ein großer Erfolg.

Bill Bryson: Mein Amerika. Erinnerungen an eine ganz normale Kindheit. Goldmann 2007, 348 Seiten, ISBN 978-3442301164 Pick It! – leider scheinbar nur noch antiquarisch erhältlich.

Meine Rezension des Hörbuchs „Eine kurze Geschichte von fast allem. Ausgabe für junge Hörer“ von Bill Bryson finden Sie hier.

2 Gedanken zu “Bill Bryson: Mein Amerika

  1. Geniales Buch. Sein aktuelles Buch („Eine kurze Geschichte der ganz alltäglichen Dinge“) ist auch gut (wie eigentlich alles von ihm)!

    • Das habe ich noch nicht gelesen, aber es steht auf meiner Weihnachts-Wunschliste. Wir haben noch „Eine kurze Geschichte von fast allem. Ausgabe für junge Hörer“ als Hörbuch, das ist sehr komplex, deshalb kann man es wieder und wieder hören und merkt sich immer ein wenig mehr (hoffentlich). Ich habe es hier rezensiert.

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