Andreas Malessa: Mein Herz in Afrika. Ole Ronkei – Begegnung mit einem Massai

Die Massai sind ursprünglich ein Hirten und Nomadenvolk. Durch Dürren und zunehmenden Ackerbau anderer Völker werden die Gebiete, in denen sie ihr Vieh weiden lassen können, jedoch immer geringer. Die Regierung bietet ihnen Wohnungen an und versucht, sie sesshaft werden zu lassen. Nach der Unabhängigkeit Kenias von den Briten fordert der erste schwarze Präsident des Landes alle Familien auf, wenigsens ein Kind zur Schule zu schicken. In der Massaifamilie Ronkei fällt die Wahl auf den kleinen Ole, der etwas zu schwächlich erscheint, um ein guter Viehhirte zu werden. So besucht er zunächst die Grundschule. Durch einen Zufall erfährt der Onkel, der sich um den vaterlosen Jungen kümmert, eines Tages von einem Internat in Nairobi, in dem die Schulgelder für die Kinder von Paten aus dem Ausland übernommen werden. Ole bekommt tatsächlich einen Platz, wird ein hervorragender Schüler und schafft trotz zahlreicher Widrigkeiten schließlich einen Studienabschluss in den USA. Obwohl er dort mehrere Dozentenstellen angeboten bekommt, entscheidet er sich, nach Kenia zurückzukehren. Dort ist er zunächst in hoher Position tätig, bis er von der christlichen Organisation „Compassion“ erfährt. Sie vermittelt Patenschaften für die Ausbildung armer Kinder – genau wie er sie einst erhalten hat. Er gibt seine gutbezahlte Stellung auf und widmet sich von nun an mit Leib und Seele den kenianischen Kindern.

Eines Tages lernt der deutsche Journalist Andreas Malessa den beeindruckenden Mann kennen. Es folgen mehrere Besuche in Kenia. Dabei erfährt Malessa viel über Kindheit und Ausbildung Ole Ronkeis und seinen Weg zum christlichen Glauben, aber auch über die sich wandelnden Traditionen der Massai, die Situation der gegenwärtigen kenianischen Gesellschaft und die Versuche, armen Kindern ein besseres Leben zu ermöglichen. Dabei bleibt Malessa nicht an der Oberfläche, sondern hakt auch bei unangenehmen Themen, wie Blutrache oder Beschneidung nach. Ebenso stellt Ronkei dem Deutschen einige Fragen über Deutschland und die deutsche Gesellschaft, die diesen durchaus in Verlegenheit bringen, beispielsweise, ob in Deutschland auch alle Kinder aus armen Familien die Möglichkeit haben, das Abitur zu machen und zu studieren. Ein flüssig geschriebenes und spannend zu lesendes Portrait eines außergewöhnlichen Mannes, der zurückgeben möchte, was er selbst bekommen hat. Eines Mannes, der sich aus der traditionellen Rolle des Massai gelöst hat und dennoch immer ein Massai geblieben ist. Ein absolut lesenswerter Einblick fernab von jeglicher kitschiger Romantik à la „Die weiße Massai“.

Über den Autor: Andreas Malessa ist Hörfunkjournalist und TV-Moderator. Durch seinen Themenschwerpunkt „Dritte Welt“ hat er viele Länder Afrikas bereist und in Reportagen von dort berichtet.

Andreas Malessa, Mein Herz in Afrika. Ole Ronkei – Begegnung mit einem Massai. Gerth Medien 2010, 157 Seiten, Euro 12,99, ISBN 978-3-8591-406-4.

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