Christoph Scholder: Oktoberfest

Ein alter Mann wird ermordet. Ein Spediteur gewinnt einen Mitarbeiter. Im Balkan wird ein Waffenschmuggel abgewickelt. Ein junger Mann verliebt sich. In Afghanistan werden Bewohner eines Bergdorfs von russischen Soldaten „bestraft“. Auf der Theresienwiese werden die Zelte für das nächste Oktoberfest aufgebaut.  – Der Thriller „Oktoberfest“ von Christoph Scholder beginnt mit vielen sowohl thematischen als auch zeitlichen Sprüngen, die den Leser zunächst verwirren. Doch langsam werden Zusammenhänge erkennbar, und schließlich kommt es zu einem schercklichen Ereignis: Auf dem Oktoberfest werden 70.000 Menschen als Geiseln in Zelten festgehalten. Das Ziel der Geiselnehmer: Rohdiamanten. Das Ziel der Regierung: Chaos vermeiden und die Geiseln unversehrt befreien. Doch leider haben die Polizei, der Münchner Oberbürgermeister, der bayerische Ministerpräsident und die Bundesregierung teilweise ganz unterschiedliche Vorstellungen, wie dieses Ziel erreicht werden kann. Dazu kommt die Presse, die sich nicht an die Geheimhaltung hält und durch ihre Informationen für solche Panik in der Bevölkerung sorgt, dass das Militär eingesetzt werden muss. Doch der deutsche Topagent Härter hat manch hilfreichen Vorschlag.
Werden viele Geiseln ihr Leben lassen müssen? Wird den Geiselnehmern ihre minutiös geplante Flucht gelingen?

In „Oktoberfest“ wird ein Horrorszenario entworfen, das man sich gar nicht vorstellen mag. Die Umsetzung ist jedoch derart detailreich geschildert, dass dem Leser klar wird, dass man das Szenario nicht einfach als unrealistisch abtun kann. Allein das erzeugt manchen Schauder beim Lesen. Die Protagonisten werden im allgemeinen realitätsnah geschildert, so dass man sich in sie, ihre Ängste und Pläne hineinversetzen kann. Dies gilt allerdings nicht für die Geiselnehmer, ihre wirklichen Motive und Hintergründe bleiben sehr lange im Dunkeln. Erst ganz zum Schluss kommt es zu einer überraschenden Erkenntnis.
Die Ereignisse werden detailliert geschildert, auch die blutigen, so dass der Leser nicht zu zartbesaitet sein sollte.

Nach den einführenden gut 100 Seiten nimmt die Handlung ständig an Fahrt auf, fesselt und raubt den Atem. Die Verflechtung der teilweise sehr egoistischen Interessen von Politik, Kommerz und Presse werden überzeugend dargestellt. Einige überraschende Wendungen halten die Spannung bis zum Schluss aufrecht. Ein gelungenes Debüt, das ich allen Thriller-Liebhabern nur empfehlen kann.

Christoph Scholder, Oktoberfest, Droemer 2010, 604 Seiten, Euro 19,90, ISBN978-3-426-19888-9.

2 Gedanken zu “Christoph Scholder: Oktoberfest

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