Buch 2011: Zwischen Stapeln und Ladegerät

Vor einigen Wochen berichtete ich über die Blogwichtelaktion des Texttreffs. Dabei handelt es sich um ein Netzwerk für Frauen in Schreibberufen. Viele davon haben ein Blog. So entstand die Idee, einmal für fremde Blogs zu schreiben. Wer wen bewichteln sollte wurde ausgelost. Ich selber habe bereits Gastbeiträge für zwei Blogs von Textwerkkolleginnen geschrieben, im Kinderohren-Blog erschien kürzlich ebenfalls ein Gastbeitrag. Heute freuen sich die wortakzente über Besuch: Tanja Finke-Schürmann ist Kommunikationsexpertin. Sie schreibt Texte für Web und Print, bietet Kommunikationsberatung und Marktforschung an. Normalerweise schreibt sie in ihrem Blog Fragologie über die Kunst des professioniellen Fragestellens, heute macht sie sich hier Gedanken über die Zukunft des Buches. Vielen Dank!

Von Gastautorin Tanja Finke-Schürmann:

Jetzt ist es gerade Punkt „kurz vor Weihnachten“ – und ich darf einen Beitrag für ein Blog schreiben, das ein Herz für Bücher hat. Das passt wunderbar, finde ich. Denn Weihnachten und Bücher gehören in jedem Fall zusammen.

Schon auf meinen Wunschlisten, die ich als Kind an den Weihnachtsmann schrieb, standen immer jede Menge Bücher. Weil man manche Schmöker eben selber besitzen will, auch wenn man die ganze Leihbücherei schon leergelesen hat. Zum Bücher-geschenkt-bekommen kam dann auch noch das Bücher-kaufen hinzu. Heute lebe ich deshalb in einem Haus, in dem die Bücherborde bis zur Decke gehen und kein Platz für weitere Regale ist. Außerdem liegen an strategisch günstigen Orten weitere Bücherstapel, über deren Entstehung, Zusammensetzung und Nutzen ich schon oft nachgedacht habe, aber das würde jetzt hier zu weit führen. Denn ich möchte doch darüber schreiben, wie man in Zeiten von E-Books und E-Book-Readern Bücher wünscht und Bücher schenkt. Und ob das noch genau so viel Spaß macht wie die Sache mit der kuscheligen Buchhandlung und den glänzenden Umschlaghüllen.

Na gut – ich habe keine Zeichenbegrenzung bekommen. Also kann ich wenigstens den Zustand meiner Bücherstapel näher beschreiben und ein paar Fragen aufwerfen: Diese zum Teil gefährlich hochgetürmten Haufen befinden sich auf Ablagen in WC und Bad, neben allen Betten, auf einem Stuhl im Esszimmer und einer Truhe im Wohnzimmer. Die Mischung ist wild.

Manchmal stelle ich mir vor, wie Leute durch unser Haus gehen und sich anhand dieser Stapel ein Bild von meinem Kopf und meinem Leben machen. Hat sie den dicken Dostojewski gelesen und warum ist er nicht im Regal mit den anderen Romanen? Hat sie hohen Blutdruck? Warum braucht sie Hilfe bei Erziehungsfragen? Hat sie ein Eheproblem oder eine gute Freundin? Ist „How to write Erotica“ ein Indiz für eine Neuausrichtung ihres Textberufes oder ist es zufällig hier gelandet? Sind Max Goldt und Martenstein ihre Vorbilder? Wer liest Walter Moers und wer in diesem Haus will aufhören zu rauchen? Liegt Max Frisch dort seit der Schulzeit oder liest sie das Zeug echt auch Jahre später noch? Anscheinend kocht sie gern, liebt Katzen und ist nicht gläubig. Aha!

Die Stapel verändern sich. Allerdings sehr langsam und kaum merklich. Es kommen neue Bücher hinzu, andere wechseln plötzlich den Raum, werden weggeräumt, zurückgegeben oder verschenkt. Aber manche behalten ihren Platz auch über einige Jahre. Weil sie noch gelesen werden wollen oder weil ich sie noch anschauen möchte oder auch einfach, weil in den Regalen ja eigentlich kein Platz mehr ist.

Seit meinem Geburtstag im Juni liegt zwischendrin ein E-Book-Reader. Er wandert häufiger, wechselt den Platz und er braucht ein Ladegerät. Ich bin sehr stolz, dass ich die ersten Bücher tatsächlich inzwischen elektronisch gekauft habe. Denn damit kann ich langfristig meine Wohnsituation entschärfen. Auf diese Weise habe ich erst mal Krimis und aktuelle Mitrede-Literatur erstanden, für die ich keins meiner bisherigen Bücherschätze entsorgen würde.

Ich weiß jetzt aber immer noch nicht, ob sich die Sache mit den Stapeln bei uns zu Hause irgendwann ändern wird. Außerdem habe ich keine Ahnung, wie ich jetzt zu Weihnachten Bücher verschenken soll. Wie finde ich heraus, ob der Beschenkte lieber Dateien oder Papier möchte? Kann man Gutscheine schenken und muss man nicht wissen, welchen Reader der Leser besitzt? Ganz schön kompliziert. Aber leider habe ich auch jetzt wirklich keinen Platz mehr hier, das näher auszuführen – und auch keine Zeit, das genauer zu recherchieren. Weil es ja kurz vor Weihnachten ist.

2 Gedanken zu “Buch 2011: Zwischen Stapeln und Ladegerät

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