Christopher Paolini: Eragon 4 – Das Erbe der Macht

Endlich, endlich traf der lange erwartete vierte Eragon-Band bei uns ein. Hart wurde die Reihenfolge verhandelt, in der die Familienmitglieder das Buch würden lesen dürfen. Ich trat freiwillig zurück, weil ich noch an einem anderen Buch saß. Ich musste dennoch nicht lange warten, die Kinder und mein Mann brauchten jeweils nur wenige Tage. Vor allem der Elfjährige war beigeistert.

Gespannt machte ich mich also an die Lektüre. Las einige Kapitel, unterbrach, schaffte vor dem Einschlafen gerade mal ein weiteres, unterbrach. Es fiel mir unheimlich schwer, in die Handlung hineinzukommen. Gut, das mag mein Fehler sein, die anderen hatten vorher die drei vorangehenden Bände noch einmal gelesen, waren also noch mittendrin, während ich mich erst nach und nach wieder an Personen, Orte und verblasste Ereignisse erinnerte. Aber das war es nicht, was es mir so schwer machte. Die Handlung hat eindeutig Längen …

Was passiert? Es beginnt mit einem Paukenschlag, der Leser befindet sich unmittelbar im Kampfesgetümmel. Die Varden versuchen, nach und nach die letzten Städte zu erobern, die das Imperium hält. Dabei geht eine ständige Gefahr von Murtagh und Dorn, noch viel mehr aber von Galbatorix und Shruikan aus. Es gibt hier ein Scharmützel, dort einen Kampf. Das Blut fließt in Strömen (etwas weniger wäre hier manchmal auch mehr gewesen). Der Leser verfolgt parallel mehrere Protagonisten: Eragon, Roran und Nasuada. Durchaus spannend.

Dann aber: Zwischendurch warten die Varden. Und warten. Und der Leser wartet mit. Eragon verteibt sich die Zeit damit, seine Fähigkeiten in Kämpfen mit Arya zu verbessern und wird dabei von Hinweisen und Mahnungen Glaedrs untersützt. Bis ins Detail werden die Scheinkämpfe geschildert. Diese Passagen fand ich zum Gähnen langweilig! Sie waren es, die mich mehrfach dazu bewogen, das Buch aus der Hand zu legen. Wahrscheinlich sind das gar nicht so viele Seiten, aber da sie mein Vorankommen behinderten, kamen sie mir endlos vor.

Doch dann wird Nasuada entführt und Eragon bekommt einen Hinweis darauf, wie Galbatorix doch noch zu besiegen sei. Nun überschlagen sich die Ereignisse, die Handlung gewinnt zunehmend an Fahrt und ich bin wieder drin. Die folgenden fünf- oder sechshundert Seiten verschlang ich in drei Abenden. Und fand es spannend und überwiegend gut. Der große Showdown war allerdings etwas verblüffend (um nicht zu sagen enttäuschend), das hätte ich mir anders vorgestellt. Warum Galbatorix derart mächtig ist, wird daraus jedenfalls nicht ersichtlich. Mehr sage ich hier nicht, ich will es ja niemandem verderben.

Etliche Ereignisse vorhersehbar, zumindest vom Ausgang her. Andere Wendungen dagegen waren vollkommen überraschend. Begeistert hat mich, dass Paolini manche Handlungsstränge über mehrere Tausend Seiten hinweg nicht vergessen hat, die am Schluss noch aufgelöst wurden. Ich hätte vermutlich nicht bemerkt, wenn sie gefehlt hätten, war dann aber froh darüber. Andererseits hätte ich mir in Bezug auf andere, wichtigere Personen Auflösungen und Erklärungen gewünscht, die nicht kamen. Der Schluss ist dann etwas ernüchternd, nicht annähernd, wie ich ihn erwartet, mir vorgestellt oder gewünscht hätte. Vor allem, dass gewisse Liebende nicht einmal zum Händchenhalten kommen, sehr züchtig, naja. Klar, es ist ein Jugendbuch, aber bei den Gewaltorgien ist Paolini auch nicht zimperlich.

An der einen oder anderen Stelle hätten dem Buch ein paar Kürzungen nicht geschadet. Aber dennoch ist die komplexe Handlung gut verwoben. Wer die anderen Bände gelesen hat, sollte diesen nicht verpassen. Der Elfjährige jedenfalls hat die komplette Reihe nach dem Ende gleich noch einmal verschlungen! Eine Rezension der Kinder sähe sicher enthusiasstischer aus.

Dieser Band soll ja das Ende der Eragon-Serie darstellen. Ob es auch das Ende der Erzählungen über die Drachenreiter bedeutet, darüber bin ich mir nach diesem Ende nicht sicher. Ich sehe da einige Möglichkeiten für Fortsetzungen à la „Die Drachenreiter: Eragons Erben“.

Ach ja: Empfohlen ab 12 Jahren. Sicher angesichts der Gewaltszenen auch nicht unberechtigt. Aber gerade auf die Schlachten stehen die Jungs. Bei uns also eher ab 10, aber das muss jeder selbst für sein Kind entscheiden.

Christopher Paolini: Eragon – Der Erbe der Macht. cbj 2011, 960 Seiten, Euro 24,99, ISBN 978-3570138168

4 Gedanken zu “Christopher Paolini: Eragon 4 – Das Erbe der Macht

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  3. Das verführt mich jetzt nicht unbedingt zum Lesen. 😉 Ich bin schon am dritten Band gescheitert, fand den zu langweilig. Mal sehen, ob ich mich irgendwann überwinden kann …

    • Meine Kinder fanden meine Kritik nicht gerechtfertigt. Vielleicht, wenn ich es im Urlaub mehr oder weniger in einem Rutsch gelesen hätte, wäre ich über die langweiligeren Stellen schneller hinweggekommen und sie wären mir weniger aufgefallen. Keine Ahnung … Am Ende muss es jeder selber herausfinden.

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