Isabel Bogdan: Sachen machen

Solche Bücher lob ich mir: Ich sitze auf dem Sofa, lese und gluckse leise vor mich hin. Zwischendrin lautes Lachen. Auf die Frage, was denn so lustig sei, winke ich nur ab: „Musst du selber lesen.“ Ein solches Buch ist „Sachen machen. Was ich schon immer tun wollte“. Wie oft habe ich schon gedacht: „Ui, das klingt da interessant, das muss ich mal ausprobieren.“ Und dann immer einen Grund gefunden, es nicht zu machen. Weil ich ja zu alt bin, zu jung, mich blamieren könnte. Oder ich habe es schlicht und einfach wieder vergessen.

So ähnlich ging es auch Isabel Bogdan, als sie für eine Zeitschriftenkolumne den Auftrag bekam, alle zwei Wochen irgendwelche Dinge auszuprobieren und darüber zu schreiben. Und so machte sie etliche Sachen, die ihr sonst vielleicht nicht in den Sinn gekommen wären. Wie nach Wacken zu fahren oder beim Schlachten zuzuschauen. Und dann gibt es noch die vielen Sachen, die man eigentlich schon immer mal machen wollte, zu denen man sich aber nie aufraffen konnte. Das kennt wahrscheinlich jeder. So ein Abgabetermin gibt dann den nötigen Schubs …

Isabel Bogdan hat aber nicht nur ausprobiert, sondern auch das Talent, genau zu beobachten und treffend und oft sehr lustig zu beschreiben. Was dazu führte, dass sich meine innerlich geführte Muss-ich-unbedingt-mal-ausprobieren-Liste um einiges verlängert hat. Aber auch dazu, dass ich mir noch sicherer wurde, dass man (ich) auch nicht alles gemacht haben muss. Sie versucht keine obejektiven Darstellungen, sondern schreibt sehr aus ihrem eigenen Erleben heraus, ist begeistert oder angeödet, geniert sich auch nicht zuzugeben, wenn sie sich ungeschickt angestellt hat. Genau das macht die Texte so liebens- und lesenswert!

Seit meine Oma mir als Kind erzählte, dass sie in ihrer Jugend mit dem Rhönrad geturnt hat, wünsche ich mir, das auch auch einmal zu tun. Bogdan hat’s gemacht. Ich habe mir sogar schon einen Zeitungsartikel ausgeschnitten, wo man bei uns in der Nähe Segways ausprobieren kann. Er vergilbt vor sich hin. Bogdan hat’s gemacht. Sie berichtet von einigen spannenden Aktivitäten, die mich auch reizen würden: die Unsicht-Bar, Aqua Bouncing, Hamam, Paddling, Siebenmeilenstiefel. In einer Buchhandlung übernachten – au ja!

Manches von dem, was Isabel Bogdan ausprobiert hat, habe ich zwar mit Interesse und Spaß gelesen, würde ich aber nicht ausprobieren wollen. Wacken. Swingerclub. Die Faszination Darm, na ja. Fliegen. (Aber mit einer Ballonfahrt könnte ich mich anfreunden.)

Faszinierend fand ich den Bericht über den Jahrmarktsbesuch. Ich bin wahrhaftig niemand, der ständig auf den Rummel rennt, aber dass es jemanden gibt, dem das so fremd ist, das hätte ich nicht gedacht. Ich wäre gar nicht auf die Idee gekommen, dass das ein Thema ist. Das war tatsächlich das Einzige, was ich selber schon ausprobiert habe.

Viele Anregungen also! Ich habe mir fest vorgenommen, jetzt auch mal öfter Neues zu probieren. Nicht immer nur Artikel auszuschneiden für irgendwann einmal, sondern wirklich loszulegen. Ob etwas daraus wird? Ich kann ja hier berichten.

Isabel Bogdan: Sachen machen. rororo 2012. 224 Seiten, Euro 8,99. ISBN 978-3-499-62818-4.

Spaß macht auch Isabel Bogdans Blog: is a blog.

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7 Gedanken zu “Isabel Bogdan: Sachen machen

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