Helmut Pöll: Die Elefanten meines Bruders

Der elfjährige Billy hat schon eine Menge erlebt, worauf er hätte verzichten können. Beispielsweise den Tod seines großen Bruders Phillipp, der auf dem Weg zum Zirkus überfahren wurde. Er hatte sich so auf die Elefanten gefreut. Billy hütet die Eintrittskarten als seinen größten Schatz und geht jedes Jahr am Phillipps Todestag in den Zoo zu den Elefanten. Davon muss aber niemand etwas wissen, abgesehen von seiner besten Freundin Mona. Schon gar nicht seine Eltern, die bei der Erwähnung Phillipps immer ganz komisch werden.

Billy hat außerdem ADS, kapiert nicht alles und schon gar nicht so schnell. Wenn es ihm zu viel wird, muss er mit seinem Todesstern durch die Wohnung rennen und sich abreagieren, auch mitten in der Nacht. Manchmal muss er aber auch Schreien –  irgendwann wird er es noch schaffen, Glas zum Zerspringen zu bringen –, bis er umfällt.

Billy berichtet über sein Leben. Von Erlebnissen in der Schule, bei der Psychologin, den Treffen und Unternehmungen mit Mona und der Verfolgung eines mutmaßlichen Terroristen. Dabei geht ziemlich oft etwas schief. Mit wachem Blick (oder ziemlich naiv) beobachtet und kommentiert Billy die Handlungen der Erwachsenen und ist dabei wunderbar entlarvend. So kommentiert er vollkommen unschuldig die Treffen seiner Mutter mit einem Arbeitskollegen, was prompt zu einem Ehekrach führt.

Mir hat das Buch sehr gut gefallen. Billys Schilderungen öffnen dem Leser die Augen für viele Absurditäten der Erwachsenenwelt. Da der Bericht sehr humorvoll ist, gibt es häufig etwas zu lachen, auch wenn es einem gelegentlich im Hals stecken bleibt. Es gibt Momente, da hätte ich ihn am liebsten in den Arm genommen. Es wird sehr berührend geschildert, wie er versucht, den Tod seines Bruders zu verarbeiten. In vielen Szenen taten mir allerdings auch die Erwachsenen leid, die mit diesem Jungen zurechtkommen müssen, der oft absurde Einfälle hat und nicht so reagiert, wie die Eltern es erwarten und erhoffen.

Eine lesenwerte Schilderung des Lebens eines hyperaktiven Jungen, die uns Erwachsenen mehr als einmal den Spiegel vorhält. Lustig, berührend und sehr aufschlussreich!

Cover_Pöll_ElefantenmeinesBruders

Hemut Pöll: Die Elefanten meines Bruders, Create Space 2012, Taschenbuch: 262 Seiten,  Euro 9,96, ISBN 978-1479102402, E-Book: 192 Seiten, Euro 2,99 bei amazon. (Ich habe das E-Book gelesen)

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