Stephanie Fey: Die Gesichtslosen

Carina Kyreleis ist vor Jahren von München nach Mexiko gezogen, auch, um ihrem dominanten Vater aus dem Weg zu gehen. Dort hat sich als Rechtmedizinerin einen Namen gemacht. Vor allem hat sie viel über die Rekonstruktion von Gesichtern gelernt. Wegen dieser Fähigkeit hat sie nun auch eine Stelle in der Münchner Rechtmedizin bekommen. Eigentlich will sie so wenig wie möglich mit ihrem Vater zu tun haben, der ein hohes Tier bei der Kripo ist. Aber schon bei ihrem ersten Fall müssen sie zusammenarbeiten.

Carina hat sich noch nicht eingelebt, ihre Wohnverhältnisse sind genauso chaotisch wie ihre privaten Kontakte, da wird sie mit einem Mörder konfrontiert, der seinen Opfern die Gesichtshaut abzieht. Und als wäre nicht schon alles anstrengend genug, hat sie auch noch ein Problem mit ihrer neuen Chefin …

Das Buch hat mehrere Handlungsstränge, die ich teilweise etwas verwirrend fand. Die eigentliche Thriller-Handlung fand ich sehr spannend und teilweise auch gruselig (soo genau hätte ich manches gar nicht wissen wollen), auch wenn mir recht früh klar war, wer vermutlich der Täter ist. Als neue und junge Mitarbeiterin nimmt sich Carina Kyreleis sehr viel heraus. Das hat mich etwas gestört, weil ich es nicht realistisch fand. Vor allem habe ich nicht verstanden, warum sie überhaupt das Gesicht der gefundenen Leiche rekonstruieren sollte, nachdem die Identität durch einen Gentest geklärt war. Warum die Hektik, damit die Eltern das Ergebnis am nächsten Tag sehen können, wenn eine solche Arbeit doch eigentlich eine Woche dauert?

Die Nebenhandlung um die Sekretärin, die sich mit einem Spion eingelassen hat, war ebenfalls mitreißend und ich habe sehr mit der Frau mitgelitten. Allerdings war mir lange vollkommen unklar, was das eine mit dem anderen zu tun hat. Nun gut, das war beabsichtigt und steigerte die Spannung.

Dazu das Privatleben der Rechtsmedizinerin. Ich finde bei einem Thriller die eigentliche Handlung wichtiger als ständige Details aus dem Privatleben der Kommissare und Rechtsmediziner, die die Armen immer von ihrer Arbeit abhalten. Eine Frau, die ihren kleinen Sohn einfach für Tage bei ihrer Schwester abgibt, die, wie sie genau weiß, in einer Wohnung noch ohne Möbel lebt? Ein Vater, der die eigene Tochter ständig kontrolliert und der fast nur für seine Arbeit lebt? Eine Mutter, die als Hebamme ebenfalls mehr für ihre Arbeit als für ihre Familie da ist, es aber ihrem Ehemann übelnimmt, dass er ständig an die Arbeit denkt? Und als wäre das nicht genug, verliebt sich Kyreleis am ersten Arbeitstag inmitten von Blut. Ach ja, und ihr Ex schneit auch noch herein. Das war mir wirklich zu viel! Allerdings trug es sehr zur Spannung bei, dass der Leser zwischendurch fürchten musste, dass mehrere Protagonisten selbst in ernsthafter Gefahr schweben.

Insgesamt habe ich den Thriller gerne gelesen und fand es überzeugend, wie am Ende die Fäden der Handlungsstränge zusammengeführt wurden. Doch etwas weniger wäre hier teilweise mehr gewesen.

Cover_Fey_Gesichtslosen

Stephanie Fey: Die Gesichtslosen. Heyne 2011. 368 Seiten, Euro 8,99, ISBN 978-3-453-43586-5.

Zur Verlagsseite, auf der es auch eine Leseprobe gibt.

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