Roland Mueller: Der Fluch des Goldes

Dies ist wieder eine Rezension für Blogg dein Buch.

Ricardo de Molinar ist ein unbedeutender Landadeliger, der sich in die angeblich schönste Frau Spaniens verliebt, Doña Inés. Zwei vermeintliche Freunde stellen den Kontakt zu der verheirateten Frau her, aber er muss erfahren, dass er Opfer einer Intrige geworden ist. Um seinen Kopf zu retten und seine Ehre wiederherzustellen, hat de Molinar genau eine Möglichkeit: Er muss auf Wunsch des Königs eine Expedition nach Amerika leiten und dort das Paradies finden. Dann, und nur dann, darf er nach Spanien zurückkehren. Vier Schiffe werden ausgerüstet und machen sich auf den weiten Weg nach Südamerika. Die anderen Mitreisenden kennen das wahre Ziel nicht, sie glauben, sie sind auf der Suche nach Gold.

Doch was auch immer die Spanier suchen, zwischen ihnen und ihrem Ziel stehen der undurchdringliche Urwald, verdorbenes Wasser, Hunger, gefährliche Tiere und feindselige Indianer. Wird de Molinar erfolgreich sein?

Die Handlung versetzt den Leser zunächst kurz nach der Ankunft der spanischen Schiffe an die südamerikanische Küste. Der zweite Teil des Buches blickt zurück in die Vorgeschichte und wir erfahren, wie es überhaupt dazu kommen konnte, dass Ricardo de Molinar mit solch einer gefährlichen Mission betraut wurde. Im dritten Teil geht es wieder zurück nach Südamerika, wo Ricardos Schiff vor Monaten den Fluss hinausgesegelt und seitdem verschwunden ist. Sein Cousin, der das zweite Schiff steuert, beschließt, ihm zu folgen. Die gefahrvolle Reise dieser Schiffsbesatzung, zunächst zu Schiff, später zu Fuß durch den Urwald, wird spannend geschildert.

Das Buch hat mehrere Erzählebenen. Manchmal berichtet ein auktorialer Erzähler, vor allem bei den Passagen, die in Spanien spielen. Von dem Verlauf der Expedition erfährt der Leser auf drei Wegen: Ricardo de Molinar schreibt ein privates Tagebuch in Form von Briefen an Doña Inés, ein einfacher Soldat, Luis, berichtet aus seiner Sicht und der allwissende Erzähler verbindet die Sichtweisen.

Anfangs hat mich das Buch schnell gefesselt: Die Schiffe der Spanier waren in Südamerika angekommen, erste Hinweise auf den Grund der Expedition machten mich neugierig, die Widrigkeiten des Lebens der Seeleute wurden detailliert geschildert. Doch nach gut 30 Seiten zum Appetitholen ging es zurück nach Spanien, wo über 100 Seiten lang geschildert wurde, welche Verwicklungen Ricardo de Molinar in diese Situation gebracht haben. Da wird lang und breit das Landgut des adeligen Ehemannes von Doña Inés beschrieben, die Kleidung und die Sitten der Zeit – zweifellos alles sehr kenntnisreich und gut recherchiert und an sich auch nicht uninteressant, doch ich hatte ein Abenteuer in Südamerika erwartet und kein Gesellschaftsgeplänkel. Durch ein Gespräch erfährt der Leser auch gleich zu Anfang, dass ein Komplott gegen Molinar geschmiedet wird, sodass die Handlung in einem gewissen Rahmen vorhersehbar war. Dieser Teil hat mich ein wenig gelangweilt und ich kam nur langsam voran. Wäre es kein Blogg-dein-Buch-Titel, hätte ich den Roman unter Umständen gar nicht weitergelesen. Im dritten Teil nahm die Handlung wieder Fahrt auf. Was hat es mit dem geheimnisvollen verwirrten Spanier auf sich, den die Expedition aufgreift? Wohin ist das Schiff von Ricardo verschwunden? Leben er und seine Männer überhaupt noch? Das war durchaus spannend und auch gut erzählt. Die detaillierten Beschreibungen des Urwalds schaffen es, ein beklemmendes Gefühl zu erzeugen: Tiere, Pflanzen, Geräusche, Gerüche und Wetter lassen den Wald vor dem Leser entstehen. Doch fand ich diese Beschreibungen teilweise zu ausführlich. Zwar erzeugen sie Atmosphäre, aber die Handlung wird nicht vorangetrieben.

Der Roman lässt mich ein wenig gespalten zurück: zwar war er teilweise spannend, hatte aber auch arge Längen. Der Autor hat sicherlich gut recherchiert, hielt sich meiner Meinung aber zu lange mit Beschreibungen auf, weshalb meine Erwartungen leider nicht erfüllt wurden.

Cover_Mueller_FluchdesGoldes

Roland Mueller: Der Fluch des Goldes. dot books 2014. E-Book, etwa 253 Seiten (danach folgen nach mehrere Leseproben) mit Glossar, Euro 5,99, ISBN 978-3-95520-623-9.

Zur Verlagsseite – bei Amazon

Ich danke dotbooks für das Rezensionsexemplar.

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