Carlos Benede: Kommissar mit Herz

Als im September 1997 bei der Kripo München das Kommissariat K 314 eingerichtet wird, ist Carlos Bennede sofort daran interessiert, dort zu arbeiten. Es ist deutschlandweit das erste Kommissariat, das sich gezielt mit Opferschutz befasst. Normalerweise geht es der Polizei darum, die Täter zu finden, die Opfer sind als Zeugen interessant. Bei seiner Arbeit wird Benede mit vielen Schicksalen konfrontiert. Besonders nahe geht es ihm, wenn Kinder betroffen sind, die beispielsweise mitansehen mussten, wie ihre Mutter getötet wurde. Die Aufgabe der Beamten ist es dann, die Kinder zu unterstützen, bis sie zum Beispiel bei Familienangehörigen untergekommen sind, sie aber auch im Alltag zu unterstützen, vom Geschehenen abzulenken, sie zum Prozess zu begleiten usw. Eines Tages lernt Benede Alex kennen, dessen Mutter vom Vater ermordet wurde. Er kümmert sich intensiv um den Jungen, dieser fasst Vertrauen und äußert, als seine Verwandtschaft mit ihm überfordert ist, den Wunsch, bei Carlos Benede zu wohnen. Dieser ist zuerst wie vor den Kopf gestoßen, nimmt die Herausforderung jedoch an …

Carlos Benede ist selber in einem Heim aufgewachsen und hat als Erzieher gearbeitet, bevor er zur Polizei ging. Vielleicht kann er sich deswegen besonders gut in die Kinder einfühlen. Das Buch berichtet über seine Kindheit und Jugend im Heim, seinen durchaus nicht gradlinigen beruflichen Werdegang, seine Arbeit beim Opferschutz und die Kinder, deren er sich angenommen hat – denn es ist nicht bei Alex geblieben. Sein Einsatz für die Kinder ist wirklich bewundernswert, hat er deswegen auch auf manches verzichten müssen. Seine ungewöhnliche Lebensgeschichte ist interessant zu lesen. Besonders beeindruckt hat mich die Wärme, mit der er von seiner Zeit im katholischen Heim und den betreuenden Schwestern spricht. Obwohl er es nicht immer leicht gehabt hat, legt er großen Wert darauf, dass das Aufwachsen im Heim für ihn kein Manko war.

Es ist die Geschichte eines Mannes, der seine Lebensaufgabe in der Betreuung von Kindern und Jugendlichen gefunden hat, die Schlimmes erlebt haben, denen er aber dennoch einen Weg zurück ins Leben schaffen will. Damit es nicht bei den wenigen bleibt, die er bei sich aufnehmen konnte, hat er inzwischen zusammen mit Freunden und Kollegen den Verein „Weitblick Jugendhilfe e. V.“ gegründet.

Carlos Benede schildert seine Lebensgeschichte selber, aber auch einige andere Stimmen werden gehört: Alex und Schwester Augusta. Das bringt weitere Perspektiven herein und macht das Buch noch lebendiger. Es lässt sich gut lesen, ich habe es fast in einem Rutsch verschlungen.

Ein toller Mann, eine beeindruckende Geschichte, ein lesenswertes Buch!

Cover_Benede_KommissarmitHerz

Carlos Benede, Heike Gronemeier: Kommissar mit Herz. Meine Jungs, mein Leben, unser Weg. Knaur 2015. 240 Seiten, Euro 19,99, ISBN 978-3-426-65554-2.

Zur Verlagsseite – bei Amazon – und in jeder Buchhandlung.

Ich danke dem Verlag für das Rezensionsexemplar.

7 Gedanken zu “Carlos Benede: Kommissar mit Herz

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