Klaus Paffrath: Sonne, Wind und Tod. Ein Thüringen-Krimi

Johannes Fielding, Referent des Bundeskanzlers, ist in wichtiger Mission in Thüringen unterwegs. Der Ilm-Kreis ist als Ort für den nächsten G8-Gipfel im Gespräch. Dazu muss er die Lage sondieren, schauen, inwieweit die Örtlichkeiten geeignet sind, mit dem Landrat und den Bürgermeistern sprechen usw. Genau an diesem Tag wird unterhalb der Wachsenburg eine erhängte Schaufensterpuppe mit einem Schild gefunden. Eine Warnung, wie es scheint. Als wenig später eine weiterer Erhängter im Arnstädter Stadtpark gemeldet wird, reagiert die Polizei sehr gelassen. Doch dieses Mal handelt es sich um eine echte Leiche. Selbstmord? Oder doch eher Mord? Zufällig ist Johannes ebenfalls dort. Zusammen mit der Journalistin Tina Brinkts nimmt er Ermittlungen auf.

Ich wohne in einem Nachbarort Arnstadts, die Wachsenburg können wir von hier aus sehen. Das machte mich natürlich besonders neugierig. Sehr detaillreich wird die Umgebung beschrieben. Es ist schon lustig, wenn man alle Orte in einem Roman wiedererkennt. Wenn man sich hier auskennt, erkennt man allerdings fast jeden Grashalm wieder. Soll heißen: Es war ein bisschen zu viel des Guten. Nicht bei jeder Fahrt müssen die angrenzenden Orte aufgezählt werden oder bei einem Besuch der Deponie Rehestädt der Rundumblick ausführlich beschrieben werden. Ich vermute, dass das für Leser, die die Gegend nicht kennen, erst recht zu viel ist – oder sie lesen einfach darüber hinweg.

Nun aber zum Positiven: Die beiden Hauptpersonen, Johannes Fielding und Tina Brinkts waren mir ziemlich sympathisch. Dass sich zwischen ihnen etwas entwickelt, bringt eine weitere Handlungsebene mit, was ich nicht schlecht fand. Ihre Charaktere sind glaubhaft rübergekommen. Auch die Art, wie sie ihre Ermittlungen geführt und schließlich die Verdächtigen eingegrenzt haben, fand ich überzeugend, auch wenn die Journalistin am Ende zu naiv reagierte.

Die Idee, ausgerechnet im kleinen Arnstadt einen G8-Gipfel abzuhalten, hat mich amüsiert (in Wirklichkeit würde sich meine Begeisterung angesichts des zu erwartenden Chaos wohl eher in Grenzen handeln). Die Schilderungen über die Notwendigkeiten bei der Auswahl eines Ortes für solch eine Veranstaltung schienen mir ziemlich glaubhaft. Auch die Darstellung des Wind- und Solarenergiemilieus (der Erhängte war ein Investor) war nicht nur glaubhaft, sondern auch sehr interessant. Da konnte man nebenbei gleich ein wenig lernen.

Die Krimihandlung an sich kam erst schwungvoll in Gang, als die Puppe gefunden wurde, dümpelte dann eine ganze Weile etwas vor sich hin, bis es dann am Ende zum großen Showdown kam. Es war also nicht durchgängig richtig spannend, wobei mir aber auch nicht wirklich langweilig wurde.

Insgesamt ein unterhaltsamer Krimi mit viel Lokalkolorit und einer interessanten Mischung aus Politik, Wirtschaftsinteressen und einem Hauch Liebesgeschichte.

Klaus Paffrath: Sonne, Wind und Tod. Ein Thüringen-Krimi. Sutton 2014. 216 Seiten, Euro 12,99, ISBN 978-3-95400-349-5.

Zur Verlagsseite – bei Amazon – über Buchhandel.de – und in der Buchhandlung um die Ecke.

2 Gedanken zu “Klaus Paffrath: Sonne, Wind und Tod. Ein Thüringen-Krimi

  1. Mich nervt das total, wenn ich den Eindruck habe, der Autor will zeigen, dass er vor Ort war, egal ob ich die Umgebung kenne oder nicht. Wenn man das Gefühl hat, beim Lesen mit Google-Maps unterwegs zu sein, geht mir die Story verloren. Ansonsten fände ich es schon mal interessant, einen Thüringen-Krimi zu lesen.

    • Das hast du schön gesagt: beim Lesen mit Google-Maps unterwegs sein, das merke ich mir. 😀
      Ich war mal mit dem Buch unterwegs und wurde darauf angesprochen. Die Frau hatte es auch gelesen und ihr war das auch zu viel. ein bisschen Lokalkolorit ist super, aber man darf es halt nicht übertreiben.

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