Mike Fairbrass, David Tanguy: Das Maß aller Dinge

Kompliziertes ganz einfach

Zugegeben, vieles auf dieser Welt ist ziemlich kompliziert, vor allem für Leute, die sich mit diesen Themen nicht regelmäßig auseinandersetzen. Zum Glück gibt es Menschen, die das Talent haben, schwierige Sachverhalte in einem Satz zu erklären, durch anschauliche Bilder zu visualisieren oder durch Vergleiche verständlich zu machen. Letztere Kunst beherrscht der Autor dieses Buches, Mike Fairbass, meisterlich. Eingeteilt in die Kapitel Biologie, Kosmos, Wirtschaft, Macht, Umwelt, Technik, Menschen und Tiere macht er wissenschaftliche Zahlen und Daten greifbar. David Tanguy setzt mit seinen reduzierten, gut verständlichen Grafiken den zweiten Punkt um. Oft kann man so den Vergleich mit einem Blick erfassen.

Zum Beispiel Atome, die einerseits winzig klein sind, andererseits aber vor allem aus leerem Raum bestehen:

Alle Menschen auf der Welt hätten in einem Zuckerwürfel Platz, würde man den leeren Raum aus ihren Atomen entfernen.

Auf ähnliche Weise lernen wir die Gesamtlänge der Nervenbahnen kennen, die Menge der Bakterien auf einem Schreibtisch (Igitt! Reden wir lieber nicht drüber, ich werde ihn gleich mal putzen), die Verteilung des Landbesitzes auf der Erde, das Gewicht einer Quellwolke oder die durchschnittliche Energieleistung des menschlichen Körpers.

Dies allerdings hat bei mir ungutes Kopfkino ausgelöst, wir waren nämlich letzten Sommer an den Niagarafällen:

Pro Sekunde produziert die Menschheit so viel Scheiße, wie Wasser die Niagarafälle herabstürzt.

Danke! Zum Glück sind die meisten Vergleiche nicht so unappetitlich. Aber sehr anschaulich ist es, dagegen kann man nichts sagen.

Unnützes Wissen? Keineswegs!

„Und was habe ich davon? Wozu muss ich so etwas wissen?“, werden manche jetzt sicher denken. Ich finde solches Wissen überaus faszinierend und es hilft mir dabei, die Welt zu verstehen. Es gibt so vieles, was ich nicht wirklich begreife. Ich lese irgendwelche Zahlen, als Schülerin habe ich sie vielleicht für die nächste Arbeit auswendig gelernt, aber ich bin nicht in der Lage sie einzuordnen, sie bleiben abstrakt und sind nicht mit meiner Vorstellungskraft verknüpft. Wird aber der Mount Everest in den Mariannengraben „versenkt“ und obendrauf stehen noch der Burj Khalifa, das Empire State Building, der Eiffelturm, die Cheops-Pyramide, die Titanic, ein Jumbo-Jet, ein Mammutbaum, ein Blauwal und ein Mensch, bevor die Wasseroberfläche erreicht ist, dann kann ich mir die ungeheuerliche Tiefe dieser Unterwasserschlucht viel besser vorstellen. Oder wenn ich eine ganze Doppelseite voller technischer Geräte und Einrichtungsgegenstände sehe und erfahre, dass ein Laptop so viel kosten müsste wie alle diese Dinge zusammen, um die gleiche Gewinnspanne wie Parfüm zu haben. (Ich wünsche mir ein ähnliches Bild zu Druckertinte!)

Das Buch ist nicht nur informativ, sondern auch sehr unterhaltsam. Ich habe es in einem Rutsch durchgelesen, aber seitdem mehrfach danach gegriffen und darin geblättert. Die Auswahl und Umsetzung der Vergleiche und ihre Visualisierung sind sehr gelungen.

Unser Buch soll unterhalten, informieren und inspirieren – mit erstaunlichen Fakten, die wir in ungewöhnliche Größenzusammenhänge gebracht und grafisch vereinfacht aufbereitet haben.
(…)
Das Maß aller Dinge ist ein Buch für all diejenigen, die mehr wollen als reine Information. Wir möchten Teile des gewohnten Denkens in den Urlaub schicken und die Freuden der Wissenschaft und der Erkenntnis auf eine neue Art vermittel und durchdringen.
(aus dem Vorwort)

Ziel erreicht, kann ich dazu nur sagen!

Fazit: Ein Buch, das allen Spaß machen wird, die es lieben, wenn Fakten auf ungewöhnliche Weise präsentiert werden. Es ist toll, wenn Wissen derart unterhaltsam und einprägsam vermittelt wird.

Mike Fairbrass, David Tanguy: Das Maß aller Dinge. Oder wie man die Welt vergleichsweise einfach betrachtet. Dumont 2018. 144 Seiten, Euro 18,00, ISBN 978-3-8321-9946-3.

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Ich danke dem Verlag für das Rezensionsexemplar.

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