Rolf Sakulowski: Die Gloriosa-Verschwörung

Mord im Schatten des Erfurter Doms

Der junge Historiker Jonas Wiesenburg hat gerade ein Buch veröffentlicht, in dem er historische Kriminalfälle aufgeklärt hat. Da wird bei Bauarbeiten unter dem Domberg eine Grotte entdeckt, in der Mumien in altmodischen Roben um einen großen Tisch sitzen. Alle tragen ein geheimnisvolles Zeichen: eine Glocke mit einer Schlange. Doch dann stellt sich heraus, dass einer der Toten relativ neuen Datums ist. Das LKA holt Wiesenburg als Fachberater in ihr Team. Er soll so viel wie möglich über die Mumien herausfinden, während die Kriminalbeamten sich um den modernen Toten kümmern. 

Was niemand erwartet hätte: Vergangenheit und Gegenwart haben viel miteinander zu tun. Jonas Wiesenburg begibt sich mit seiner Freundin auf gefährliches Terrain.

Wenn die Vergangenheit die Gegenwart beeinflusst

Immer wieder führen Kapitel uns in das Jahr 1665, wo eine Gruppe von Männern Widerstand gegen die Herrschaft des Mainzer Bischofs über Erfurt plant. Dabei soll die größte Glocke im Dom, die Gloriosa, eine bedeutende Rolle spielen. Heimlich treffen sich die Männer in einer Grotte unter dem Dom.

Die anderen Kapitel spielen in der Gegenwart. Historiker Jonas Wiesenburg versucht mit Unterstützung seiner Freundin Fenja herauszufinden, was sich vor mehr als 300 Jahren unter dem Dom abgespielt hat. Wer waren diese Männer, warum haben sie sich dort getroffen und warum sind sie schließlich an diesem düsteren Ort unter dem Dom gestorben? Kommissarin Anne Vareel versucht gleichzeitig, die Identität des geheimnisvollen Toten zu klären, der erst seit einiger Zeit unter dem Dom ruht. Diese Ermittlungen gehen Jonas nichts an. Doch es stellt sich heraus, dass er durch seine Nachforschungen und Befragungen der Mordermittlung gefährlich nahe, ja sogar in die Quere kommt.

Charmante Ermittler

Jonas ist ein sympathischer Protagonist. Seine Leidenschaft ist es, alten Dokumenten neue Erkenntnisse zu entlocken. Zwar ist auch manchmal ein bisschen Glück dabei, aber es wird glaubhaft vermittelt, dass seine Recherchen ihn wirklich zu den benötigten Erkenntnissen bringen. Zwar machen er und Fenja Dinge, bei denen den Lesern schon klar ist, dass sie sie in gefährliche Nähe zu der Mordermittlung bringen, aber sie handeln im Allgemeinen nachvollziehbar und vernünftig.

Wissen über Glocken

Die Recherchen bringen es mit sich, dass Jonas und Fenja sich mit der Herstellung von Glocken und der Geschichte der Glockengießerei befassen müssen. Daher steigt Jonas auf den Glockenturm des Erfurter Doms, um sich die Gloriosa anzusehen – ebenso wie viele Jahre vorher einer der Verschwörer – und fährt mit Fenja nach Apolda ins Glockenmuseum. Was die beiden alles lernen und erfahren, fand ich sehr interessant. Auch andere seiner Erkenntnisse fand ich spannend, beispielsweise über die Pistolenherstellung.

Spannender Blick in die Vergangenheit

Fast noch spannender als die modernen Ermittlungen sind die Ereignisse aus dem Jahr 1665, wo zwölf überwiegend wenig sympathische Männer einen perfiden Plan haben. Der angebliche Botanikus Nikolaus Corvus, der für die technische Seite des Plans zuständig ist, ist ein mysteriöser und ein wenig gruseliger Mensch. Den anderen geht es vor allem um eins: Macht.

Die Einblicke in das Stadtleben der Zeit sind darüber hinaus sehr interessant.

Erfurter Flair

Jonas und Fenja wohnen auf der Krämerbrücke und sind viel in der Stadt unterwegs. Daher hat der Krimi viel Erfurt-Flair. Wenn man sich auskennt, kann man sie gedanklich beleiten und sieht ihre Umgebung vor sich. Allerdings wird das nicht übertrieben weitschweifig getan, sodass Leute, die sich nicht in Erfurt auskennen, nicht mit überflüssigen Informationen überfrachtet werden. Das ist wirklich sehr gut gelungen!

Gelungene Mischung

Die Mischung von Blicken in die Vergangenheit mit Kapiteln, die in der Gegenwart spielen, ist sehr gut gelungen. Die Leser sind den Ermittlern immer einige Schritte voraus, zumindest was die Vergangenheit angeht. Das sorgt aber keinesfalls dafür, dass der Krimi weniger spannend würde, eher im Gegenteil. Das Wissen lässt einen in manchen Momenten den Atem anhalten, weil man etwas befürchtet, was aber nicht unbedingt immer eintritt.

Historische Informationen, Wissen über Glockenherstellung und die Krimihandlung an sich sind sehr gut verwoben. Die Handlung nimmt einige überraschende Wendungen, wenn man glaubt, den Fall schön gelöst zu haben, wird man doch noch einmal überrascht. Das Ende kommt mit einem Paukenschlag daher. Das Ganze liest sich sehr flüssig, als ich erst einmal einen gewissen Punkt überschritten hatte, habe ich bis nachts um 2 Uhr weitergelesen, weil ich das Buch nicht mehr aus der Hand legen konnte.

Übrigens ist das der zweite Band mit diesem Ermittlerteam, der erste spielt u. a. in den Saalfelder Feengrotten. Ich bin angefixt, den möchte ich nun auch lesen.

Fazit: Ein gut recherchierter Krimi, in dem ein historischer und ein aktueller Kriminallfall gelöst werden und der mit viel Erfurt-Flair daherkommt.

Ralf Sakulowski: Die Gloriosa-Verschwörung. emons 2018. 416 Seiten, Euro 12,90, ISBN 978-3-708-0424-4.

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