Projekt Blumenwiese

Die Ausgangsfrage: Wie gut sind Samenmischungen für Blumenwiesen?

Alle reden vom Insektensterben und davon, dass man etwas dagegen tun müsse. Blumenwiesen seien dringend notwendig, Blühstreifen entlang der Äcker usw., damit Bienen und andere Insekten Futterpflanzen finden und in der Folge wiederum Vögel genug Insektennahrung. Plötzlich wurde in jedem Super- und Gartenmarkt Saatgut angeboten.

Das brachte Anne auf die Idee, einen Versuch durchzuführen. Sie kaufte und bestellte verschiedene Saatmischungen, schaute, was auf den Tütchen steht und wie die enthaltenen Samen aussehen. Das Ergebnis: sehr unterschiedlich! Nachzulesen unter Schmetterlingswiese und Bienenparadies – ein Überblick über Samen. Dann verschickte sie die Samen an Interessierte in allen Ecken Deutschlands. Wem sie was geschickt hat und wie die Gärten vorher aussehen, seht ihr hier: Gemeinsam für mehr Artenvielfalt #saatanne.

Mein Saatgut

Ich hatte ohnehin schon länger geplant, unseren Garten insektenfreundlich umzugestalten. Unser Haus ist das einzige in der Nachbarschaft, an dem Schwalben brüten dürfen, ich füttere ganzjährig Vögel, mein Engagement auf Insekten auszudehnen war quasi der nächste Schritt.

Anne schickte mir zwei Blumenwiesenmischungen:

  • Blühende Landschaft – mehrjährig für insektenfreundliche Blühstreifen auf Ackerflächen oder kleinere Bereiche im Garten für 10 Quadratmeter. Enthalten sind laut Packungsaufschrift Buchweizen, Borretsch, Sonnenblume, Kornblume, Färberkamille, Natternkopf, Flockenblume, Margerite, Wiesen-Salbei, Steinklee, Hornklee und vieles mehr. Es handelt sich um die Mischung West, auch wenn ich eher in der Mitte wohne. Diese Mischung muss nicht, kann aber im Frühjahr geschnitten werden.
  • Wildblumenmischung für Schmetterlinge, Bio-Saatgut. Enthalten sind laut Packungsaufschrift Wiesensalbe, Glockenblumen, etwas, was ich nicht lesen kann, weil ich da die Packung aufgerissen habe (sorry) und 33 andere Arten. Diese Mischung soll im Juni/Juli und im September/Oktober geschnitten werden. (Gut, dass ich das jetzt lese!)

Phase 1: Aussaat und Warten

Ursprünglich hatte ich geplant, den ganzen hinteren Bereich unseres Gartens als Blumenwiese umzugestalten.Das gestaltete sich aber aus einigen Gründen viel schwerer, als ich mir das vorgestellt hatte. Ich muss zugeben, dass ich völlig falsche Zeitvorstellungen hatte. Mal eben schnell die Grasnarbe entfernen, haha! Als wir schließlich ein kleines Ecken fertig hatten, wollte ich wenigstens schon einmal die erste Mischung ausäen oder wenigstens einen Teil davon. Überraschenderweise reichte die gelbe Tüte gerade mal für die Hälfte meiner vielleicht drei Quadratmeter großen Fläche. Ich habe keine Ahnung, was ich falsch gemacht habe. Vielleicht hätte ich viel feiner aussäen müssen. Also verwendete ich das zweite Tütchen für die zweite Hälfte.

Ich nahm mir vor, weiteres Saatgut für den Rest des Gartens zu kaufen. Dazu sollte es aber nicht kommen, denn ich brach mir das Bein. Deswegen habe ich auch vergessen, ein Foto des Beets zu machen. Treppen waren lange ein Problem, vor allem kam ich nicht gut wieder hoch, also verzichtete ich auf Ausflüge nach unten in den Garten und schaute nur gelegentlich aus dem Fenster, ob sich etwas tat. Ein paar Tage war es kalt und windig. Auch hatten wir anderes im Kopf, als darauf zu achten, die Samen nicht austrocknen zu lassen, wie es auf der Packung stand. Sie wurden also nicht gerade verhätschelt.

Immerhin freuten sich die Vögel, die scharenweise pickend auf dem Beet saßen. Ich zweifelte schon daran, dass irgendetwas wachsen würde. Denn es tat sich ziemlich lange nichts.

Phase 2: Es wächst!

Im Juni wurde ich langsam wieder mobil und machte meine ersten Ausflüge mit Krücken in den Garten, um die Blumenwiese zu betrachten.

Okay, da wuchs nun etwas. Was? Keine Ahnung. Auch weiter hinten im Garten, rund um den Komposter wuchs allerhand. Da hatte ich nicht gesät. Vom Winde verweht … Zu entscheiden, was zu welcher Saatmischung gehört, wurde damit schwierig.

Phase 3: Es blüht!

Was ich am Anfang kaum mehr für möglich gehalten hätte, geschah: Ab Ende Juni blühte es.

Das müsste die Saatmischung für Schmetterlinge sein …

… und dies hier die Blühende Landschaft.

Ich bin nicht so gut im Bestimmen von Blumen. Ich erkenne jedoch, dass weder Margeriten, Sonnenblumen oder Klee zum Vorschein gekommen sind. Was ich für Raps hielt, entpuppte sich als Weißer Senf, jedenfalls behauptet das die App Flora Ingognita, außerdem habe ich Mohnblumen erkannt und Kornblumen. Es gibt auch sehr viele Disteln, ich habe keine Ahnung, ob die aus den Mischungen sind oder „Bestandspflanzen“.

Ich kann mir gut vorstellen, dass nicht alles gekeimt hat, weil wir kaum gegossen haben. Außerdem blüht ja nicht alles gleichzeitig, es taucht immer noch mal etwas Neues auf.

Hier einige Detailbilder:

Das dürften Bienefreund, Mohn, Weißer Senf sein, beim vierten Bild habe ich keine Ahnung.

An Insekten tummeln sich dort bisher vor allem Hummeln, ich habe Marienkäferlarven entdeckt. Ich habe allerdings auch nicht stundenlang geschaut, es ist durchaus möglich, dass noch weitere Insekten die Blüten angeflogen haben. Schmetterlinge habe ich noch nicht gesehen, aber vielleicht ist es für viele Sorten auch noch etwas zu früh.

Mein (Zwischen-)Fazit

Die Saatmischungen enthalten nicht so viele Sorten, wie auf den Packungen stand. Möglicherweise liegt das aber auch am Wetter und den Umständen. Sagen wir, der Versuchsaufbau war alles andere als perfekt.

Mittlerweile kann ich mir nicht mehr vorstellen, den ganzen hinteren Bereich des Gartens in eine Blumenwiese zu verwandeln. Ich habe mir viele insektenfreundliche Stauden verschiedener Höhe herausgesucht, die ich dort gesetzt habe oder noch setzen werde.

Ich bin gespannt, wie sich die Wiesenecke in den nächsten Monaten weiterentwickeln wird und wie es den anderen mit ihren Wiesen ergangen ist.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

*