Rezension: „Pergamentum“ von Heike Koschyk

1188: Die gebildetete junge Adelige Elysa von Bergheim, die bei ihrer Großmutter in Mainz lebt, soll auf die heimische Burg zurückkehren. Dort soll sie als Statthalterin die Verwaltung übernehmen, weil ihr Bruder dem Aufruf zur Teilnahme am Kreuzzug folgen möchte. Begleitet wird sie vom Kanonikus Clemens von Hagen.

Die Reise führt die beiden in die Nähe des von Hildegard von Bingen gegründeten Nonneklosters Eiblingen, in dem es in der letzten Zeit merkwürdige, beunruhigende Ereignisse gegeben hat. Ein Mönch, der das Kloster besucht hatte, wurde tot aufgefunden. Es gibt Hinweise darauf, dass er nicht auf natürliche Weise ums Leben gekommen ist. In seiner Hand wurde ein rätselhaftes Pergamentstück gefunden, auf dem einige Worte in einer von Hildegard erfundenen Geheimsprache, der Lingua Ignota, stehen. Clemens bittet Elysa, getarnt als Novizin Ermittlungen im Kloster durchzuführen, während er außerhalb andere Spuren verfolgt. Nach einigem Nachdenken stimmt Elysa zu. Sie bleibt im Kloster, während Clemens eilig wieder abreist. Schon bald überschlagen sich die Ereignisse …

Was ist die Bedeutung des Pergaments? Was geschah wirklich mit Mönch Adalbert? Welche Nonnen sind in das Geschehen verwickelt? Welche Rolle spielt die Lingua Ignota? Und was hat Kaiser Barbarossa mit der Angelegenheit zu tun? Elysa versucht, der Sache auf den Grund zu gehen. Sie entdeckt, dass sich viele Geheimnisse hinter den Klostermauern verbergen. Aber sie steht unter Zeitdruck – schon in drei Tagen soll sie zur Nonne geweiht werden! Kann sie das Rätsel rechtzeitig aufklären?

Heike Koschyk hat einen historischen Roman – und gleichzeitig einen Krimi – geschrieben, der historisch auf festem Grund steht. Sie hat fundierte Kenntnisse über die Epoche, die politischen Ereignisse, das Klosterleben und Hildegard von Bingen, was der Leser deutlich spürt. Die beschriebene Lingua Ignota gab es wirklich, auch wenn nur wenige Zeugnisse darüber existieren. Koschyk gelingt es, die historischen Gegebenheiten so in die Handlung einzubauen, dass der Leser nicht belehrt wird, aber immer das Wissen hat, was er benötigt. Jeder Abschnitt wird mit einem Zitat aus einer Vision Hildegards eingeleitet, was der Handlung zusätzliche Authentizität verleiht.

Die Handlung ist spannend und glaubhaft. Es gelingt, den Leser schon in der Einführung zu fesseln. Die verschiedenen Handlungsstränge werden gut verknüpft, der Wechsel zwischen ihnen steigert die Spannung noch. Bemerkenswert ist, wie detailreich und gelungen die Beschreibungen sind, vor allem der Ereignisse im Kloster Eiblingen. Der Leser fühlt sich in die beklemmende Klosteratmosphäre hineinversetzt.

Fazit: Ein sehr gelungener historischer Roman, der sowohl Fans dieses Genres als auch Krimifans nur empfohlen werden kann.

Die Autorin:

Heike Koschyk wurde 1967 in New York geboren, aufgewachsen ist sie in Hamburg und Travemünde. Heute lebt sie in Norddeutschland.

1998 veröffentlichte sie ihr erstes Buch, ein Sachbuch.

2002 folgte ihr erster Roman: „Die Verfolgung“

2008 wurde sie für den Kurzkrimi „Schachmatt“ mit dem Agatha-Christie-Krimipreis 2008 ausgezeichnet.

2009 erschien neben „Pergamentum“ noch eine Biografie: „Hildegard von Bingen – Ein Leben im Licht“

Mehr über Heike Koschyk erfahren Sie auf ihrer Homepage.

Das Buch:

Heike Koschyk: Pergamentum. Rütten & Loening 2009. Gebunden, 426 Seiten, EUR 19,95. ISBN: 978-3352007729 Pick It!

2 Gedanken zu “Rezension: „Pergamentum“ von Heike Koschyk

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