Martell Beigang: Zu Gast im eigenen Leben

Dies ist wieder eine Rezension für Blogg dein Buch:

Ben ist Musiker. Seine Band hat sich aufgelöst und er hat die Nase voll von Auftritten in irgendwelchen schlecht besuchten Clubs. Außerdem hat seine Freundin Tine ihn verlassen und er weiß nicht so recht, was er mit seinem Leben anfangen will. Eins steht für ihn fest: Er will Tine wiederhaben, aber keiner weiß, wo sie ist. Da kommt er auf die Idee, auf YouTube Filme zu veröffentlichen. Er gründet TineTV in der Hoffnung, dass sie es sieht und zu ihm zurückkommt. Außerdem wollen seine Freunde ein Band-Revival. Ben will sich nicht verbiegen, er will sein Ding machen, seine Träume erfüllen. Alles mögliche geht schief, aber er resigniert nicht. Und plötzlich will sogar das Fernsehen seine Sendung haben …

Die Geschichte eines gescheiterten Musiker: Band weg, Freundin weg. Ben hockt frustriert und desillusioniert in seiner Wohnung und weiß nicht recht, was er vom Leben will. Eigentlich weiß er eher, was er nicht will. Keine abendlichen Gigs in kleinen Kneipen, bei denen die Garderobe im Getränkekeller untergebracht ist. Keine Übernachtungen in billigen Absteigen in irgendwelchen Provinznestern. Keine ewigen Fahren im klapprigen Bandbus auf regennassen Autobahnen. Der erste Teil des Buches vergeht mit seinen ziemlich selbstmitleidigen Überlegungen und Betrachtungen, unterbrochen von den Bemühungen seiner Bandkollegen, ihn zu einem Revival zu überreden. Leider muss ich sagen, dass das ziemlich langweilig war. Immer wieder legte ich das Buch beiseite. Erst als Ben auf die Idee kommt, seine verschwundene Ex-Freundin Tine mithilfe eines Videoclips zu suchen und um Rückkehr zu bitten, nimmt die Handlung endlich Fahrt auf. Es kommt zu einigen turbulenteren Zwischenfällen, durch den Tod seiner Tante eröffnen sich ihm neue Möglichkeiten, das Fernsehen ist an einer Übernahme von Tine-TV interessiert, Ben hat eine Geschäftsidee. Nun machte die Lektüre Spaß, ich musste einige Male herzhaft lachen und habe den Rest flott gelesen.

Erst als ich das Buch bereits gelesen hatte, habe ich gesehen, dass es sich um eine Fortsetzung handelt. Vielleicht wäre meine Einschätzung etwas anders ausgefallen, wenn ich den ersten Teil, „unverarschbar“ gekannt hätte. Man empfindet eine Handlung ja anders, wenn man die Protagonisten bereits kennt, die Geschichte rund um Bemerkungen, Anspielungen und kleinere Rückblicke bekannt ist. Vielleicht aber auch nicht, ich weiß es nicht.

Fazit: Zunächst keine so überzeugende Umsetzung der an sich nicht schlechten Idee, im Laufe der Handlung kommt immer mehr Lesespaß auf. Wer über den zähen Anfang hinwegsehen mag, für den ist dieses Buch über die Suche eines Musikers nach sich selbst durchaus empfehlenswert.

Martell Beigang: Zu Gast im eigenen Leben. Schardt Verlag 2012. 157 Seiten, Euro 10,–, ISBN 978-3-89841-586-6.

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3 Gedanken zu “Martell Beigang: Zu Gast im eigenen Leben

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