Margaret Mazzantini: Niemand rettet sich allein

Delia und Gaetano, genannt Gae, haben sich getrennt. Doch an einem Frühsommerabend gehen sie gemeinsam Essen, um das eine oder andere zu klären – schließlich muss Delia nun alleine mit der Versorgung der beiden Söhne Cosmo und Nico klarkommen. Im Gespräch werden viele Erinnerungen wachgerufen. Es wechseln sich Passagen, in denen das Geschehen im Restaurant geschildert wird, mit anderen ab, in denen die Gedanken der beiden Protagonisten abschweifen. Delia und Gae erinnern sich an Momente des Scheiterns ebenso wie an Augenblicke des Glücks. Sie rufen die ersten Momente ihrer Beziehung voller Liebe und heißem Sex ebenso in ihre Erinnerung wie die die letzten Streitereien. Als der Abend endet, hat der Leser das gescheiterte Paar und dessen Beziehung aus der Sicht des jeweils anderen kennengelernt. Auch wenn die Episoden in vollkommen ungeordneter Reihenfolge erinnert werden, liegt das Geschehene am Ende klar auf der Hand.

Mazzantini ist hier ein interessantes Psychogramm zweier Menschen gelungen. Solche gescheiterten Beziehungen gibt es tausendfach, sie hat eine davon im Detail seziert. Das ist manchmal sehr lesenswert, stellenweise aber auch ein bisschen langweilig – nicht immer ist es prickelnd, von den Alltagssorgen anderer Menschen zu lesen, die man so oder so ähnlich auch schon erlebt hat. Letztlich passiert nicht viel: Zwei Menschen sitzen in einem Restaurant, reden, beobachten andere und lassen ihre Gedanken schweifen. Und doch erfahren wir alles, vom ersten Kennenlernen bis zur aktuellen Phase der Trennung. Sehr geschickt stellt Mazzzantini oft die beiden Positionen einander gegenüber, und wenn der Leser vielleicht in einem Moment innerlich für den einen Partei ergreift, relativiert sich das schnell, wenn er erfährt, wie der andere die gleiche Situation erlebt hat, was er empfand, was er nicht sagte oder sagen konnte. Schnell wird deutlich, warum die Beziehung scheiterte, vielleicht scheitern musste – die Charaktere haben sich im Laufe der Jahre zu sehr auseinanderentwickelt.

Ich fand es bewundernswert, wie gut es Mazzantini gelingt, diese zwei Menschen durch viele Kleinigkeiten so gut zu porträtieren. Auch wenn ich es durchaus lesens- und empfehlenswert finde, hat es doch Längen und kommt weder an „Das schönste Wort der Welt“ noch an „Das Meer am Morgen“ heran.

Cover_Mazzantini_Niemandrettetsichallein

Margaret Mazzantini: Niemand rettet sich allein. Aus dem Italienischen von Karin Krieger. Dumont 2013. 219 Seiten, Euro 19,90 , ISBN 978-3-83321-9686-7.

Zur Verlagsseite – bei Amazon.

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