Susanne Ackstaller: Die beste Zeit für guten Stil

Im Ernst?

Wer mich gut kennt, wird sich jetzt vielleicht wundern. Daniela liest einen Stilratgeber? Die Frau, die mit dem Motto “Jeans, T-Shirt, Pulli, Hauptsache bequem” durchs Leben zu laufen scheint?

Ja, ja. Das macht sie. Zum einen, weil sie die Autorin dieses Stilratgebers persönlich kennt und Neugier zu ihren grundlegenden Wesenseinheiten gehört. Und zum anderen, weil ich schicke Frauen mit Stil tatsächlich bewundere, auch wenn ich dafür kein besonderes Händchen zu haben scheine. Außerdem hasse ich es, einkaufen zu gehen und mich in enge Umkleidekabinen zu zwängen. Beim Bestellen sieht an mir vieles doch sehr anders aus als an den (schlanken) Modells. Nicht die besten Bedingungen. Aber schicke Klamotten hätte ich trotzdem gern. Theoretisch. 😀

Nun also ein Stilratgeber, und zwar keiner für Teenies oder junge Frauen, sondern für Frauen wie mich: schon über vierzig, fünfzig oder sechzig, vielleicht mit ein paar Kilos mehr auf den Hüften, als in der Modewelt üblich ist. Auf jeden Fall mit den Veränderungen, denen ein Körper beim Älterwerden nun mal unterworfen ist. Daher lautet auch der Untertitel:

Fashion for Women. Not Girls

Wahrscheinlich kennt ihr auch alle diese Modetipps für ältere Frauen aus Modezeitschriften: bloß keine ärmellosen Kleider und kurzen Röcke mehr. Dies nicht und das nicht. So funktioniert dieses Buch aber ganz und gar nicht. Zum Glück!

Es ist eine kurzweilige Lektüre, ich habe es an zwei Abenden verschlungen. Zunächst klärt Susanne Ackstaller die Frage, was in ihren Augen eigentlich Stil ist. Danach wechseln sich Frauenporträts mit Styleguide-Kapiteln ab.

Elf stilvolle Frauen werden vorgestellt, die erklären, was Mode für sie bedeutet, wie sich ihre Haltung im Laufe ihres Lebens verändert hat, was ihnen dabei wichtig ist, welche Modemarken sie mögen, wer ihre Stilikonen sind usw. Jede von ihnen erläutert, welche fünf Key Pieces eine Frau ihrer Meinung nach im Schrank haben sollte.

Diese Porträts fand ich sehr inspirierend. Es sind allesamt Frauen, die keinen Trends hinterherlaufen, die ihren eigenen Stil entwickelt haben und einfach spannend sind. Es machte großen Spaß, die Porträts zu lesen und die so vielfältigen Frauen kennenzulernen. Nicht immer gefällt mir auch der Kleidungsstil, aber das muss er auch nicht, denn, das ist eigentlich die Kernaussage des Buches: Jede Frau muss sich selber in den Kleidern wohlfühlen, die sie trägt. Es geht um sie selbst, nicht um andere. Was die Nachbarin, die Freundin oder die Kollegin denkt – egal! Das ist ein bewundernswertes Mindset, das man erst einmal entwickeln muss.

Ich muss niemandem mehr etwas beweisen und nur mir selbst gefallen.

Sehr schön sind auch die Fotos der Frauen von Martina Klein, aber besonders toll finde ich die Zeichnungen von Veronika Gruhl.

Beim Styleguide geht es um grundlegende Kleidungsstücke, wichtige Accessoires und ein wenig ums Schminken. Weiße Bluse, Jeans, Trenchcoat, roter BH, Lippenstift und Umhängetasche und Co. scheinen wenig überraschend. Doch hier wird nicht nur die Entstehungsgeschichte erzählt – übrigens durchgehend sehr interessant –, sondern auch erklärt, welche Materialien es gibt, auf was man dabei achten muss, was sich für welchen Zweck am besten eignet und wie man das Ganze klassisch, lässig oder extravagant stylt. Dabei gibt es durchaus überraschende und, wie ich fand, auch sehr verlockende Vorschläge. Bezugsquellen runden diese Kapitel ab.

Am Ende des Buches werden zahlreiche inspirierende Frauen und ihre Blogs oder Instagramacounts kurz vorgestellt. Weitere Anregungen en masse.

Amüsant fand ich die Sache mit den Key Pieces und den Basics aus dem Styleguide. Ich habe weder eine weiße Bluse noch ein weißes T-Shirt im Schrank. Dort hängt zwar ein kleines Schwarzes, in das ich allerdings, fürchte ich, nicht mehr hineinpasse. (Ja, das Ausmisten des Schrankes wird natürlich auch erwähnt.) Sonnenbrillen habe ich nicht, weil die bei hoher Dioptrienzahl so schrecklich teuer sind. Und ich habe in meinem ganzen Leben nie eine Jeansjacke besessen (warum eigentlich?). Ein stilistisches Trauerspiel also? Immerhin kann ich mit Jeans und einer größeren Menge Streifenshirts dienen. Ich LIEBE Ringelshirts!

Und, hat mir die Lektüre etwas gebracht? Natürlich hat sie das! Alleine wegen der tollen Porträts lohnt es sich, das Buch zu lesen. Aber auch die Entstehung und Geschichte der Kleidungsstücke fand ich sehr interessant. Und wenn ich mal wieder einkaufen gehe (irgendwann wird es sich nicht umgehen lassen), habe ich jetzt ein paar gute Ideen im Hinterkopf, habe einiges über Materialien und deren Bezeichnungen gelernt und weiß, auf was ich beim Kauf besonders achten sollte. Denn: Die beste Zeit für guten Stil ist jetzt.

Fazit: Ein Stilratgeber für unperfekte Frauen ab 40, der sehr kurzweilig zu lesen und niemals belehrend ist. Elf inspirierende Porträts eigenwilliger Frauen, die ihren ganz eigenen Stil entwickelt haben, machen es über die Stiltipps hinaus zu einer anregenden Lektüre.

Cover Susanne Ackstaller: "Die beste Zeit für guten Stil"

Susanne Ackstaller, Martina Klein, Veronika Gruhl: Die beste Zeit für guten Stil. Fashion for Women. Not Girls. Knesebeck 2021. 176 Seiten, Euro 25,00, ISBN 978-3-95728-444-0.

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Ich danke dem Verlag für das Rezensionsexemplar.

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