Viola Eigenbrodt: Schürze, Speck und La Famiglia

Urlaub mit (schlechter) Aussicht

Irgendwie hatte Rechtsanwältin Silke Baum sich ihren Erholungsurlaub in Südtirol anders vorgestellt. Als sie die wundervolle Aussicht genießt, nutzt ihr Hund die Gelegenheit, um Leichenteile auszugraben. Schrecklich! Aber vielleicht doch nicht so, denn nun interessiert sich die Presse für sie und das könnte man ja vielleicht ausnutzen …

Jedenfalls kommen die Meraner Carabinieri wieder zum Einsatz, die die Leser:innen evtl. schon aus den beiden Vorgängerbänden kennen – wenn nicht, ist es aber auch nicht schlimm – und auch ihre Kollegen von der Kriminalpolizei. Sie sind nicht sehr angetan von der Pressebegeisterung ihrer ersten Zeugin. Manchmal allerdings könnte man meinen, die Beamten hätten gar keine Zeit für den neuen, ziemlich mysteriösen Fall: Ein runder Geburtstag muss geplant werden, das angehende Geburtstagskind erlebt Spuren einer Midlife-Crisis, die Stationskatze bekommt Nachwuchs, die neue Kollegin bringt einiges Durcheinander und auch einige Liebeswirren sind zu klären. Aber doch, auch der neue verzwickte Fall, bei dem lange nicht einmal bekannt ist, wer der Tote ist, nimmt ihre Zeit und ihre Gedanken in Anspruch.

Der Fall führt die Carabinieri ins Fleischgeschäft, sie befragen Gourmetköche und Schlachter, Metzger und Journalisten. Alles dreht sich um den bekannten Südtiroler Speck. Dass jeder Verdächtige schon von Berufs wegen die Fähigkeit zum fachgerechten Zerlegen einer Leiche hat, macht die Sache nicht einfacher. Aber mit Grips, der nötigen Kombinationsgabe und einer riskanten Aktion kann der Fall letztendlich gelöst werden.

Kein Schwein ruft mich an …

Natürlich nimmt der Weg zur Lösung des Falls etliche Windungen und führt auch in Sackgassen, doch auf ihm erfahren Leserinnen und Leser einiges über Südtiroler Geschichte und Esskultur und lernen Schweine-Lieder kennen, von denen es eine erstaunliche Menge gibt. Ja, das Buch bringt seine Playlist bereits mit, ich habe mich köstlich amüsiert, auch wenn ich zwischenzeitlich mit Ohrwürmern zu kämpfen hatte.

Die neue, sympathische Kollegin Patti Mayrhofer tut den Carabinieri richtig gut, auch wenn sie für einige Verwicklungen sorgt. Den grummeligen Chef muntert sie auf, die jungen Kollegen entwickeln eine gewisse Rivalität, um sie zu beeindrucken. Die Kollegen sind alles ziemliche Individualisten, was die Zusammenarbeit nicht unbedingt leichter macht, aber definitiv amüsanter für die Leser:innen.

Ich hatte viel Spaß an der Krimihandlung, die mich lange in die Irre geführt hat. Auch wenn die privaten Gefühlswelten und die Ereignisse auf der Station, vor allem mit den Katzen, recht viel Raum eingenommen haben, haben sie sich doch gut in die Handlung eingefügt, für manches Schmunzeln gesorgt und nicht genervt.

Fazit: Ein spannender Krimi mit viel Südtiroler Lokalkolorit, bei dem auch der Humor nicht zu kurz kommt. Fans von Südtiroler Speck sollten vielleicht auf die Lektüre verzichten, denn ihnen könnte sonst der Appetit vergehen. Obwohl – das ist ja alles nur Fiktion. Oder vielleicht doch nicht?

Viola Eigenbrodt, Tobias Reimann: Schürze, Speck und La Famiglia. Ein Krimi aus Südtirol. Independent 2021. 440 Seiten, Euro 16,99, ISBN 979-8529805084.


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