Lisa Graf-Riemann, Ottmar Neuburger: Steckerlfisch

Was sich so Urlaub nennt …

Kommissar Stefan Meißner ist gerade mit seiner Freundin und Kollegin Marlu zusammengezogen. Beide haben Urlaub, um das alte Häuschen von Marlus Großmutter für sich zu renovieren. Doch dann ruft Stefans Vater an, der möchte, dass Stefan seinen alten Onkel besucht, mit dem er seit vielen Jahren keinen Kontakt mehr hatte. Helmut Meißner, der in einer noblen Seniorenresidenz am Chiemsee lebt, meint, dass dort einiges nicht mit rechten Dingen zugeht. Stefan hat kein bisschen Lust, lässt sich aber von Marlu zu dem Ausflug überreden. Auch ihr kommt einiges komisch vor und sie stürzt sich in die Ermittlungen. Stefan muss mitmachen, ob er will oder nicht.

Ein Ausflug ins Seniorenheim

Ein großer Teil der Handlung spielt in einem luxuriösen Seniorenheim für reiche Leute in bester Chiemsee-Lage. Die Bewohner sind sehr reiche, früher meist sehr erfolgreiche Menschen, die es beispielsweise gewohnt waren, große Firmen zu leiten und nun auch ihr Alter angenehm verbringen möchten. So wie Helmut Meißner, ehemals erfolgreicher Unternehmer, oder Helene von Hertan, mit der er sich befreundet. Alles könnte sehr schön sein, wenn nicht einige Bewohner sterben würden. Nun ist das in einem Seniorenheim an sich nichts Ungewöhnliches, doch Helmut Meißner findet das in diesen Fällen nicht. Ihm fällt auf, dass immer denjenigen etwas passiert, die sich mit Schwester Pia anlegen …

Liebenswerte Protagonisten mit einigen Marotten

Die wichtigsten Personen in diesem Krimi sind allesamt Originale, eigensinnige Menschen mit einer interessanten Lebensgeschichte, die ihre Handlungen erklärt: die eigensinnigen alten Leute, die ihre Entscheidungsfreiheit nicht abgeben wollen, nur weil sie schon die Siebzig oder Achtzig überschritten haben und körperlich nicht mehr ganz fit sind, das ungleiche Ermittlerduo, die rumänische Schwester mit Gewissen und der attraktive polnische Priester, der unter der Last des Beichtgeheimnisses leidet . Aber auch die Antagonisten haben es in sich: der Leiter des Seniorenheimes und seine Mitarbeiterin, die nach außen hin gediegen tun, aber bei denen hinter den Kulissen die Post abgeht und die mehr am Geld als am Wohlergehen der Bewohner interessiert sind. Und vor allem die überaus fromme Schwester Pia, die ihre eigenen Interessen verfolgt und ganz anders ist, als es den Anschein hat. Sie sind alle hervorragend, mit scharfem Blick und einer Portion Humor beschrieben, sodass sie vor dem Auge der Leser lebendig werden und man ihre Handlungen gut nachvollziehen kann.

Wer ist der Nächste?

Dies ist keiner dieser Krimis, bei denen verzweifelt nach dem Mörder gesucht wird, der Leser mitraten kann und wo die Lösung erst auf den letzten Seiten offenbar wird. Nein, fast von Anfang an ist klar, wer hier welche Interessen verfolgt. Die Spannung entsteht auf andere Weise. Wird es noch zu weiteren Todesfällen kommen? Wird es womöglich einen der „Seniorendetektive“ erwischen, die ihre Nase sehr tief in die Angelegenheiten von Leuten stecken, die so etwas gar nicht schätzen? Wie tief ist die Heimleitung verwickelt? Und was geschieht eigentlich mit den Bewohnern, die angeblich zu einer Thalasso-Therapie nach Rumänien in Urlaub geschickt werden?

Altes Eisen? Von wegen: Seniorenpower!

Ich habe die Protagonisten, vor allem Helmut Meißner, Helene von Hertan und die aus einer scheinbaren Demenz ins Leben zurückgekehrte Vera von Zeppelin, trotz oder gerade wegen ihrer etwas spröden Art schnell ins Herz geschlossen und mit ihren mitgefiebert, aber auch das Ermittlerduo wider Willen macht Spaß. Mir gefällt der scharfe Blick, der auf die Personen und das Geschehen geworfen wird, der Humor, der trotz der ernsten Ereignisse in der Schilderung steckt und wie sich die Spannung langsam steigert und schließlich in einer temporeichen und turbulenten Szene kulminiert. Auch das Lokalkolorit kommt nicht zu kurz, ohne jedoch mehr Raum einzunehmen als für den Handlungsablauf nötig. Ein schöner Krimi mit viel Hintersinn.

Cover_GrafRiemannNeuburger_Steckerlfisch

Lisa Graf-Riemann, Ottmar Neuburger: Steckerlfisch. Emons 2016. 336 Seiten, Euro 11,90, ISBN 978-3-95451-817-3.

Zur Verlagsseite – bei Amazon – über Buchhandel.de – und in der Buchhandlung um die Ecke.

Ich danke dem Verlag für das Rezensionsexemplar.

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