Jimmy Liao: Das Kino des Lebens

Sehnsuchtsort Kino

Nachdem ihr Mutter die Familie verlassen hat, geht der Vater immer, wenn die Sehnsucht seiner Tochter zu groß wird, mit ihr ins Kino. Die Mutter hat das Kino geliebt, also hofft er, sie dort zu treffen. Später geht das Mädchen alleine. Wir begleiten es durch die Jahre. Es verliebt sich im Kino, es geht mit ihren Freunden ins Kino und danach sprechen sie über Filme.

Mit vierzehn traf ich einen Jungen. Der Kinosaal war leer bis auf uns beide. Es schien, als würde der Film nur ausgestrahlt, damit wir uns begegnen.

Auch ihren Mann lernt sie im Kino kennen. Er träumt davon, selbst einen Film zu drehen. Es wird zu seiner Obsession, doch als der Film schließlich herauskommt, aber keinen Erfolg hat, verlässt er sie. Erst danach merkt die junge Frau, dass sie schwanger ist. Die Geschichte wiederholt sich – sie geht mit ihrer Tochter ins Kino, immer in der Hoffnung, eines Tages den Vater dort zu treffen.

Papa liebt Filme über alles“, sagte ich zu ihr. „Vielleicht begegnen wir ihm irgendwann im Kino wieder.“

(K)ein eigenes Leben

Das ganze Leben des namenlos bleibenden Mädchen wird vom Kino bestimmt. Dort lernt sie ihre Freunde und ihren Mann kennen, dort sucht sie ihre Mutter und den Vater ihres Kindes, dorthin flüchtet sie, wann immer es in ihrem Leben kompliziert ist. Sie liebt es, im Kino in andere Welten entführt zu werden. Dort geht es ihr immer gut, dort findet sie die vermisste Wärme.

Doch sie merkt auch, dass das Kino ihr nicht immer gut tut. Mit ihrem Mann lebt sie nur Kino, sie führen gar kein richtiges eigenes Leben. Wieso sie, obwohl sie das erkennt, mit ihrer kleinen Tochter genau das wiederholt, was ihr Vater mit ihr gemacht hat, erschließt sich mir nicht wirklich. Vielleicht hat sie keine andere Strategie gelernt, um mit Problemen umzugehen. Im Zweifelsfall flüchtet sie ins Kino.

Das Ende finde ich sehr, sehr traurig, weil nur eine Kleinigkeit zu einer positiven Wendung fehlt, die die junge Frau selbst in der Hand hat. Aber gut, vielleicht ist es so realistischer.

Bildgewaltige Darstellung

Das Mädchen erzählt seine Geschichte selbst, sodass wir wenig Distanz dazu haben, sondern in ihr Erleben und ihre Gefühle direkt miteingebunden sind.

Beeindruckend sind die Bilder. Sehr, sehr viele Bilder zeigen den Blick in den Kinosaal. Mal sind die Sitzreihen voll besetzt, mal sind nur einzelne Plätze besetzt. Immer sehen wir das Mädchen bzw. die junge Frau, alleine oder mit ihren verschiedenen Begleitern. Man könnte meinen, dass das schnell langweilig würde, aber nein, gar nicht. Liao schafft es, den Kinosaal immer anders aussehen zu lassen. Die verschiedenen Stimmungen, die gesehenen Filmgenres, das alles drückt sich in den Bildern aus.

Wir begleiten das Mädchen aber auch bei seinem Leben außerhalb des Kinos. Manche Bilder sind fantastisch oder ein wenig surreal, andere realistisch. Oft sind im Hintergrund irgendwo Filmplakate zu sehen.

Insgesamt sind die Bilder wieder sehr beeindruckend. Die Geschichte stimmt nachdenklich, ist ein wenig traurig, aber stellenweise auch voller Hoffnung. Dass der Autor das Kino liebt, ist aber in jedem Strich zu erkennen.

Fazit: Tolle Bilder, die einen regelrecht in das Buch eintauchen lassen, und eine wundervolle Hommage ans Kino.

Das Cover, das auf der Verlagsseite und inden meisten Shops zu sehen ist
Und dieses Cover hat das Buch, das ich vor mir liegen habe und so ist es auch im Autorenwelt-Shop. Mir gefällt dieses übrigens besser

Jimmy Liao: Das Kino des Lebens. Aus dem Chinesischen von Marc Hermann. chinabooks 2019. 168 Seiten, Euro 27,90, ISBN 978-3-905816-85-3.

Andere Bücher von Jimmy Liao im Blog: Der blaue Stein (zur Rezension), Die Sternennacht (zur Rezension)

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Ich danke dem Verlag für das Rezensionsexemplar.

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